Gedanken einer Landratte (I) (26.7.2012)

Juli 30th, 2012 von administer

Ich sitze im Netz vorne zwischen den beiden Kat-Rümpfen, unter mir nur das glasklare Wasser, und lasse mir den leichten Wind um die Nase strichen. Langsam versinkt die orange-rote Scheibe der Sonne hinter dem Hügel drüben am Strand. Von der Hektik, dem Gewusel dort ist nichts mehr übrig als das rhythmische Rauschen der Brandung. Kann es tatsächlich sein, dass wir erst seit 10 Tagen auf der GALEB sind?
Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren.
Es war ein fulminanter Start, von Mallorca weg, und für mich als Landratte nicht ganz ohne. Gleich als ersten Leg die Querung rüber nach Sardinien, doch dank Anti-Seekrankheitskaugummi und –pflaster konnte ich die ersten „seltsamen Bauchgefühle“ schnell wieder bei Seite schieben, und so gegen 01:00 krieche ich aus meiner Koje raus und schaue an Deck. Der Wind nahezu direkt von hinten – Tschuldigung, “raumer Wind“ – schiebt uns mit 8 Knoten durch das Wasser. Der Sternenhimmel ist gigantisch – so klar habe ich das noch nie erlebt! Man kann sich fast nicht satt sehen.
Da, plötzlich fällt der Blister leicht ein, es gibt einen lauten Knall, und es hängen nur noch Fetzen herum und schlägt wie verrückt im Wind… Wolfgang ist im Null-Komma-Nichts auch an Deck, und mit einiger Mühe können wir schließlich dieses wild um sich schlagende Stück Stoff bändigen und verstauen.

Nächster Tag, Flaute. Wir dümpeln mit fast keiner Fahrt so vor uns hin. Wolfgang befestigt am Heck eine lange Leine, mit einem Fender dran, und ab ins Wasser damit. Es ist schon ein ganz besonderes Feeling, mitten auf dem offenen Meer von Bord ins Wasser zu springen…

Kochen. Gerne habe ich die Rolle des Smutjes übernommen. Woran ich mich allerdings immer noch nicht so recht gewöhnt habe, sind die ungeheuerlichen Mengen, die die 3 Youngsters Felix, Florian und Sebastian verdrücken. Ich rechne also nicht mit den 6 Leuten an Bord, sondern koche mengenmäßig für 8-9 Leute . Anders wären auch die 1000gr. Nudeln für eine Mahlzeit nicht zu rechtfertigen…

Seemännische Fachbegriffe. Ich bin ja lernwillig, und an allem interessiert. Wir haben gerade aus einer Bucht abgelegt, der Wind bläst recht schön, und wir pflügen mit guten 6 Knoten durchs Wasser. Wolfgang meint zu Felix „Mach mal den Großbaum mit einem Bullenstander fest..:“
Hä???
Und ich als Landratte, und ohne das rechte Gefühl, wo’s kritisch sein könnte, stelle mich so geschickt neben den Niederhalter des Großbaums, dass der mir einen gehörigen Stoß versetz, als durch eine Böe kurzzeitig die Windrichtung variiert…Mein Fall wird gebremst von der Reling, über die ich schon ganz schön weit drüberhänge, Felix hat noch ein Bein erwischt und hält mich dran fest, und die restliche Fallenergie bremst meine Lippe ab… auf der Außenseite die Deckskante, auf der Innenseite meine Zahnreihe… die sich sehr, sehr deutlich in der Lippe abzeichnet! Jetzt weiß ich also, wie sich’s anfühlt, fast über Bord gegangen zu sein, und was es heißt, eine dicke Lippe zu riskieren.
Übrigens, den Knoten für den Bullenstander kann ich noch nicht machen… Aber vom Üben hab‘ ich erst mal genug!

(Klaus)

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Notlage? (28. 7. 2012)

Juli 29th, 2012 von administer

Nachdem der Skipper die Crew tage-, ach was, wochenlang zum Schreiben eines Artikels für Himbeerblau gedrängt hat, entscheide ich mich nun, um viertel vor Null und mit dem Mut dreier Bier intus, dazu. Es ist mein erster Artikel und deswegen möchte ich mich bei den treuen Lesern, für den teils bestimmt plumpen Humor und schlichten Stil entschuldigen, die zumindest zum Teil in der späten Uhrzeit und meinem Alkoholpegel fußen. Trotzdem möchte ich es mir nicht nehmen lassen die Ereignisse des Tages kurz zusammen zufassen.

Nach windigem Wetter haben wir uns in eine geschütztere Bucht gelegt und machen da weiter wo wir vorher aufgehört haben: beim Entspannen, oder auf Neudeutsch: chillen. Neben dem üblichen Begaffen unserer Reichen und noch Reicheren konnte heute noch eine Sternschnuppen und – und jetzt liebe Damen haltet euch fest – ein _romantisches Candle-light-dinner_ am Strand ausgemacht werden.

Doch in diese Idylle platzt auch eine katastrophale Nachricht und trifft die Crew völlig unvorbereitet: DAS BIER IST ALLE!!!!!!!!! Felix und ich waren erst vor zwei Tagen zwei Paletten holen (für diejenigen die sich nicht so damit auskennen: 2 Paletten=48 Bierdosen… glaub ich… so übern Daumen…egal). Dies führte doch zu Entsetzen und wilden Berechnungen („Nein, wie viele Bier hast du gestern getrunken? Ich hatte heute nur 3…öööh…“). Nach einigem Suchen mit wenig Erfolg nach einer vermeintlich verlorengegangenen Palette, ist nun die spätabendliche Erkenntnis und Prämisse für Morgen: Wir müssen einkaufen, und zwar dringend. Die Überfahrt nach Sizilien steht an…

Liebe Grüße und ahoi!

(Sebastian)

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Zen oder die Kunst auf einem Segelboot zu sein (26.7.2012)

Juli 27th, 2012 von administer

Segeln hat ja durchaus etwas meditatives. Die häufig recht regelmäßigen Bewegungen des Bootes in der See, der gleichförmige Beat des Rap vom Ipod eines Crewmitglieds, die endlose Weite des Horizonts helfen dem Geist sich aus den Endlosschleifen des Alltags zu befreien und zur Ruhe zu kommen. Zusätzlich hat jede Crew noch ihr Mantra, das helfen soll sich auf eine wesentliche Sache zu konzentrieren. Während unser Mantra in der ersten Woche lautete: „Mit Blister wären wir schneller, hom.“, wurde es in der zweiten Woche durch „Jeder schreibt einen Beitrag für die Homepage, hom“ ersetzt. Die Effizienz der fernöstlichen Techniken zeigt die Existenz dieser Zeilen.
Scherz beiseite: Segeln bietet mir immer wieder die Gelegenheit, den reizüberfluteten Alltag mit seinen Terminen und Themen (weitgehend) hinter mir zulassen. Der Weg wird zum Ziel, der Fokus liegt auf wenigen wesentlichen Dingen, Termine und Tempo macht der Wind. Viele der Dinge die man machen müsste sind schlicht nicht möglich und für andere die sonst nie möglich sind findet sich plötzlich Zeit, und sei es einfach mal Nichts tun.
Und letzterem werd ich mich nun in einer netten Bucht südlich von Olbia wieder hingeben…

(Andreas O.)

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Traumsegeln (22.7.2012)

Juli 23rd, 2012 von GALEB

Wenn ich immer nur von Missgeschicken und gelinden Katastrophen berichte, dann entsteht leicht der Eindruck, wir wären ständig nur im Kampf mit Unbill (dem bösen Bruder von Bill).

Dem ist beileibe nicht so! Wir erleben momentan an der Costa Smeralda das Segeln von seiner besten Seite. Poseidon (oder sind das eher die Hoheitsgewässer von Neptun?) und der Wind sind mit uns -– ja ja, auch die Kraft ist mit uns 🙂

Durch die Straße von Bonifacio rauschen wir vor Wind und Welle mit strammer Fahrt und biegen dann nach Süden ab in das Gebiet der sagenumwobenen Costa Smeralda – eine Inselwelt, die an die besten Regionen von Kroatien erinnert. Berlusconi und andere Ganoven stellen hier gerne ihre Beute zur Schau. Der Wind frischt immer mehr auf und pfeift mit rund 30kt schon recht ordentlich. Für eine ruhige Nacht steuern wir in die augenscheinlich hübsche Bucht von Porto Massimo, wo wir uns an einer Boje festmachen neben einer fast schon ärmlichen Bonzenmotoryacht (grad mal 18m). Der Eigner hat’s wohl nur mäßig weit gebracht, bedient jedoch alle Klischees. Dort drüben bekommen wir eine amüsante Show geboten von einem rundlichen sonnenbebrillten Geldsack und seinem Personal. Gerade zurück vom Restaurant an Land, in dem 15 Ober die Wichtigkeit ihrer Klientel bestätigen begibt sich der Geldgeber in den Liegestuhl an Deck und wird von einer luftigen Blondine betanzt, während die übrige Crew sich mit dem Problem des Ablegens von einer bzw. zwei Bojen beschäftigt. Kurz bevor der Gönner besprungen wird klappt das dann auch und das Gefährt fährt aus der Bucht.

Kopfüber an die Boje

Gleich darauf kommt eine Charteryacht an die Nachbarboje, deren Besatzung ein recht eigentümliches Festmachmanöver praktiziert: vom Vorschiff hängt sich ein Jüngling kopfüber vor den Bug und fädelt (auf den zweiten Versuch erfolgreich) eine Leine durch das Auge der Boje. Diese akrobatische Darbietung übten sie früh morgens erneut, nachdem sie von den starken Böen – an den Klippen vorbei – nach draußen getrieben wurden. Für uns war es trotz der Windgeräusche eine ruhige Nacht, die wir zu offenbar ortsüblichen Preisen erkauft haben…

(Wolfgang)

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Neustart (17.7.2012)

Juli 18th, 2012 von GALEB

Die GALEB ist wieder unterwegs mit Wolfgang und seiner Crew Klaus, Andi, Flo, Sebastian und Felix. In Porto Colom auf Mallorca verstauen wir Gepäck an Bord und bunkern Proviant.


Schon am nächsten Tag geht es los, um günstigen Wind für die Passage nach Sardinien nutzen zu können.
Hinter der Abschattung von Mallorca war segeln noch etwas zäh, weshalb ich die Chance gleich genutzt habe, die Logge frei zu kratzen, wo sich in kurzer Zeit Seepocken ansiedeln und das vierflügelige Rädchen blockieren.
Allein mit dem Finger war nix auszurichten, also mit einem Holzstäbchen rein gepuhlt – das bricht gleich ab und bei dem Versuch das Rädchen wieder frei zu bekommen, bricht auch gleich noch ein Flügelchen ab – Mist! Immerhin wird die Geschwindigkeit jenseits von 4 Knoten doch noch angezeigt.

Nachmittags versuchen wir unser Abendessen an die Angel zu bekommen. Nach kurzer Zeit beißt auch ein Fisch. Die Freude währt nur kurz, denn er taucht mit samt dem Köder ab.
Also frickel ich einen nagelneue Oktopusattrappe an die Leine. Es dauert keine Viertelstunde, bis wieder einer anbeißt. Nach kurzem aber heftigem Kampf kapituliert die 1mm dicke Angelleine und unser Opfer verschwindet in der Tiefe. Nach seiner Kraft zu schließen, hätte uns dieses Tier wohl eine Woche lang ernährt.
Bei bestem Wind um 18kt aus NW kommen wir unter Blister prima voran. Ständig zwischen 7-8 kt Fahrt und leicht achterliche Welle, die allerdings langsam  unangenehm hoch wird.
Die Nachtwachen haben eigentlich nicht viel zu tun, bis etwa 2 Uhr der Blister kurz einfällt und sich dabei so unglücklich in der Saling verhängt, dass er sofort in Fetzen geht. Die Bergung hat sich einigermaßen schwierig gestaltet, weil die stabile Segelkante, fest eingeklemmt, nur noch frei geschnitten werden konnte. Nach einer halben Stunde nächtlicher Arbeit konnten wir endlich unter vollen Segeln weiter den herrlichen Wind nutzen.

Wir sausen wunderbar übers Wasser doch knapp 100 Meilen vor Landfall (ca. 14:00) ist der Wind wie ausgeschaltet – so ähnlich hat es unser Wetterbericht tatsächlich angekündigt – aber man hofft ja doch immer. Nun laufen wir bei gemütlicher Badesee unter Motor. Der Kühlschrank ist kalt, frisches Wasser ist bereitet und die Mannschaft  ist frisch geputzt. Nur Flo hatte Pech und ihn quält der schmerzhafte Kontakt mit einer Qualle am Arm.
Wie immer ist hier was geboten – aber sonst ist alles prima an Bord

(Wolfgang)

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Mallorca

Juli 14th, 2012 von administer

Inzwischen ist unsere Etappe zu Ende und das Boot liegt nun für einige Tage in Porto Colom an einer Boje.

Tapas y Tango (24.06.2012): In Palma bot sich doch tatsächlich die Möglichkeit, nach dem Besuch eines sehr empfehlenswerten Tapas-Lokales, 13Porciento, noch Tango Argentino bei Tangosentido zu tanzen. Es war schön, so herzlich aufgenommen zu werden und sogar Bekannte dort zu treffen.
An dieser Stelle auch einen herzlichen Dank an Hata, die uns an einem Vormittag auch die Erkundung des Landesinneren ermöglichte.

Es gäbe noch viel zu erzählen, gerade von Mallorca.
Viele glauben, Mallorca zu kennen. Ich kann nur sagen, auch von See aus gesehen ist es eine wunderschöne Insel und eine Bucht ist malerischer als die andere. Besser als Worte mögen das Bilder beschreiben…

(Andreas)

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Einkaufen mal anders (22.6.2012)

Juli 3rd, 2012 von administer

Ruhetag in der Cala Santa Ponça, Mallorca

Der Segeltörn mit Markus, Andreas und Joachim hat ja nicht nur den Zweck, dem gemeinsamen Hobby Segeln zu frönen, sondern auch, das Projekt OpenSeaMap voranzubringen. Letzteres ist nicht so mein Fachgebiet, aber mit shoppen kenne ich mich aus. Daher der Vorschlag beim Frühstück: die Männer arbeiten, ich gehe einkaufen. Zettel gezückt, Einkaufliste notiert und Rucksack eingepackt. Den Müll zur Entsorgung nicht vergessen. Soweit alles wie zuhause. Erste Änderung: ich bekomme den großen schwarzen Bordgeldbeutel, in dem nur ein Teil des Geldes mein Eigen ist. Zweite Änderung: ich muss erst mal an Land rudern. Interessante Variante.
Dingi beladen, abgelegt und hinüber gerudert. Am Anlegesteg ernte ich verwunderte Blicke der Sonnenbadenden. Die Supermärkte sind leider nicht auf Crews ausgelegt, die kochen. Daher war das Jagen und Sammeln nicht so erfolgreich, aber zumindest Obst und Gemüse zu Mallorca-Preisen (inklusive Flugbenzin- und Touristenaufschlag) habe ich ergattert. Beim Rückweg war Improvisation gefordert, denn mir riss am Dingi die Halterung des Ruders ab. Also Paddeln. Habe ich ja auf der Altmühl auch schon gemacht. Indianerin Cornelia kommt heil auf dem Schiff an. Ahoi.

(Cornelia)

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Der Eimer – mein bester Freund (19./20.6.2012)

Juli 1st, 2012 von administer

Calpe – Ankern in Moraira – Ankern vor Ibiza (Ibiza).
65 sm in 9 Stunden, Wind querab, 20..30 kt, 2 Wachen mit 4 Stunden Rhythmus, in Doppelbesetzung.
Erster Teil der großen Überfahrt war vom Festland nach Ibiza. Die berüchtigte Nachtfahrt. Für mich als Erstseglerin ein großes Abenteuer. Im Team wurde abgestimmt, welche Schichteinteilung denn die bevorzugte wäre. Wir einigten uns auf 2 Leute á 4 Stunden.

Markus und ich waren für die zweite Schicht eingeteilt – also erst mal ab in die Koje. Mit einem Eimer – der über die ganze Nacht mein bester Freund werden sollte. „Entspanne Dich, ruhig atmen“, war der gute Rat gegen die Übelkeit. Irgendwann gelang es mir sogar (jahrelanger Yogapraktik sei Dank) und ich konnte etwas dösen.
Während der Schicht war ich keine große Hilfe. Der Eimer lernte meine innersten Werte sehr genau kennen. Trotzdem hatte die Nachtfahrt ihre schönen Seiten: die hellen Sterne, die die Nacht nicht dunkel werden lassen, die Funken in der Gischt und die Erfahrung, sich dem hinzugeben, was da ist: dem Schaukeln, dem Meer und dem Vertrauen, dass ich mit erfahrenen Seeleuten unterwegs bin.

Freund

(Cornelia)

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