Traumsegeln (22.7.2012)

Juli 23rd, 2012 von GALEB

Wenn ich immer nur von Missgeschicken und gelinden Katastrophen berichte, dann entsteht leicht der Eindruck, wir wären ständig nur im Kampf mit Unbill (dem bösen Bruder von Bill).

Dem ist beileibe nicht so! Wir erleben momentan an der Costa Smeralda das Segeln von seiner besten Seite. Poseidon (oder sind das eher die Hoheitsgewässer von Neptun?) und der Wind sind mit uns -– ja ja, auch die Kraft ist mit uns 🙂

Durch die Straße von Bonifacio rauschen wir vor Wind und Welle mit strammer Fahrt und biegen dann nach Süden ab in das Gebiet der sagenumwobenen Costa Smeralda – eine Inselwelt, die an die besten Regionen von Kroatien erinnert. Berlusconi und andere Ganoven stellen hier gerne ihre Beute zur Schau. Der Wind frischt immer mehr auf und pfeift mit rund 30kt schon recht ordentlich. Für eine ruhige Nacht steuern wir in die augenscheinlich hübsche Bucht von Porto Massimo, wo wir uns an einer Boje festmachen neben einer fast schon ärmlichen Bonzenmotoryacht (grad mal 18m). Der Eigner hat’s wohl nur mäßig weit gebracht, bedient jedoch alle Klischees. Dort drüben bekommen wir eine amüsante Show geboten von einem rundlichen sonnenbebrillten Geldsack und seinem Personal. Gerade zurück vom Restaurant an Land, in dem 15 Ober die Wichtigkeit ihrer Klientel bestätigen begibt sich der Geldgeber in den Liegestuhl an Deck und wird von einer luftigen Blondine betanzt, während die übrige Crew sich mit dem Problem des Ablegens von einer bzw. zwei Bojen beschäftigt. Kurz bevor der Gönner besprungen wird klappt das dann auch und das Gefährt fährt aus der Bucht.

Kopfüber an die Boje

Gleich darauf kommt eine Charteryacht an die Nachbarboje, deren Besatzung ein recht eigentümliches Festmachmanöver praktiziert: vom Vorschiff hängt sich ein Jüngling kopfüber vor den Bug und fädelt (auf den zweiten Versuch erfolgreich) eine Leine durch das Auge der Boje. Diese akrobatische Darbietung übten sie früh morgens erneut, nachdem sie von den starken Böen – an den Klippen vorbei – nach draußen getrieben wurden. Für uns war es trotz der Windgeräusche eine ruhige Nacht, die wir zu offenbar ortsüblichen Preisen erkauft haben…

(Wolfgang)

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