Palermo (4.8.2012)

August 14th, 2012 von GALEB

Nach einer traumhaftschönen Überfahrt (vor dem Wind – ohne Blister) von Ustica nach Palermo, bei Vollmond, fast glatter See und achterlichem Wind wollte uns in den Morgenstunden ein italienischer Fischer versenken, indem er mit lautem Gezeter und Geschrei von links kommend unser Segelboot zu rammen beabsichtigte. Nur durch einen Aufschießer im Letzten Augenblick konnte ich seine Pläne durchkreuzen.
Nach Tagesanbruch befanden wir uns vor der Hafeneinfahrt der Hauptstadt. Ein widerlicher Güllegestank ließ uns eine Viertel Stunde lang alle überflüssigen Atemzüge vermeiden. Als wir an dem Steg festmachten, wo wir vor vier Jahren schon gute Erfahrungen gemacht hatten (damals musste der Kühlschrankkompressor erneuert werden) konnten wir im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen – der freundliche Werftbesitzer Carlo organisierte in kürzester Zeit umfassende Hilfe: über Nacht wurde unser Blister (!!!) von der Firma Doyle repariert und auch das Ersatzteil für die Logge war am nächsten Tag da – nachdem der Händler in München zwei Wochen lang nix auftreiben konnte. Ein echter Glückstag!

Der Ausflug durch die Stadt bestätigt den Eindruck, den wir bereits von unserem letzten Besuch bekamen: der Lärm ist zwar allgegenwärtig, aber noch viel mehr der Gestank. Palärmo trifft es schon recht gut, Pastinko wäre jedoch etwas präziser. Als Resümee wird mein Vorurteil ein aberes Mal bestätigt:

Italien hat sein Flair erst dank
Dauerlärm, Dreck und Gestank!

(Wolfgang)

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Ustica (2.8.2012)

August 7th, 2012 von administer

Die Insel 36sm nördlich Sizilien ist sehr übersichtlich. Der freundliche Hafenmeister gestattet es den Gästen, mangels Hafenplätzen (4), an drei verschiedenen Fähranlegern gratis festzumachen. Allerdings kommen da über den Tag verteilt 6-8 Fähren oder Versorgungsschiffe an – oder auch nicht. Daher ist es kaum möglich, beispielsweise ganztags mit einer Vespa die Insel mit 10^-3 Hz zu umkreisen, denn das Boot will in kurzen Abständen bewegt werden – bzw. der Hafenmeister will es aus offensichtlichen Gründen. Und das ganze scheint prima zu funktionieren. Zumindest hielten in den zwei Tagen unseres Aufenthalts das ganze Dutzend Segelyachten  jede betreffende Anlegestelle für die Dicken frei – auch wenn sie dann doch nicht kamen, wie angekündigt…
Na – immerhin hatten wir weidlich Gelegenheit, das Anlegen und Ablegen an Kaimauern zu üben und in der Zwischenzeit Badespaß und Kurzausflüge zu genießen. Schön hier!

(Wolfgang)

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Die Götter (1.8.2012)

August 6th, 2012 von administer

Wir sind wohl die Lieblinge aller antiken und neuzeitlichen Gottheiten, denn nicht nur Neptun, Poseidon, Aeolus und Konsorten haben und mit den Segnungen ihres Ressorts bedacht (lediglich Blistus war aus unerfindlichen Gründen erzürnt, so dass wir ihm unser Opfer dar brachten), sondern auch als Petrijünger wurden wir von der Natur reich beschrankt. Auf der Passage von Sardinien nach Ustica ging uns ein wunderschöner Großaugen-Thunfisch an den Haken, der die sechsköpfige Crew vier Tage lang üppig ernährt hat, wie Klaus zuvor schon berichtete.
Der gemeine Aquanaut wird mit angelsächsischen Einheiten wesentlich moderater traktiert, als dies Aeronauten durchleiden. In diesem Sinne möchte ich noch kurz die Länge unseres Fangs mitteilen: LüA betrug ziemlich genau 1 4/5 hPint / sqr ft.


(Wolfgang)

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Gedanken eine Landratte (III) (02.08.2012)

August 3rd, 2012 von administer

Das Netz vorne zwischen den beiden Rümpfen, so direkt über dem Wasser, mit den Fahrtwind der um die Nase streicht, dazu das Rauschen der Wellen, hat sich zu einem meiner Lieblingsplätze an Bord entwickelt. Nirgends sonst kann man seine Gedanken besser vagabundieren lassen.
Ein bisschen Wehmut stellt sich ein, dies ist die letzte Überfahrt, in wenigen Stunden legen wir in Palermo an, und schon morgen Nachmittag bringt mich der Flieger wieder zurück nach Deutschland. Die fast 3 Wochen an Bord sind viel zu schnell vergangen, obwohl sie sich angefühlt haben wie eine halbe Ewigkeit – ich habe mich viel zu gut an das Leben an Bord gewöhnt. So richtig bewusst geworden ist mir das vorher, beim Ablegen von Ustica: Da hat doch tatsächlich der massiv aus Beton gegossene Anleger unter meinen Füssen ganz fürchterlich geschwankt…
Es war eine ganz tolle Erfahrung an Bord der GALEB, mit einer ganz tollen Crew, und ich möchte keine Sekunde missen!
Mast- und Schotbruch, GALEB, und allzeit einen Handbreit Wasser unter deinen Kielen!


Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen!
(Klaus)

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Gedanken eine Landratte (II) (31.7.2012)

August 2nd, 2012 von administer

Irgendwo im Thyrenischen Meer, auf der Überfahrt von Sardinien Richtung Sizilien. Ich sitze mal wieder im Trapez, ganz vorne zwischen den beiden Kat-Rümpfen, und unter mir rauscht das Wasser vorbei.
Leider ist uns Aeolus, der Gott des Windes nicht so gut gesonnen, und so tuckern wir unter Motorkraft dahin. Dies hat uns schon zum 2. Mal heute den Besuch von Delfinen beschert, diesmal sind sie nicht auf Jagdzug und schwimmen mit spielerischer Leichtigkeit nur Zentimeter vor den beiden Rumpfbügen hin und her. Ein kleiner, kaum sichtbarer Flossenschlag, und wie eine Rakete zischen sie davon, springen aus dem Wasser, mal ein nur Einzelner, mal gleich drei nebeneinander in perfekter Formation. Fast könnte man sie berühren, so nahe sind sie an der Wasseroberfläche, am Boot. Es ist fast nicht beschreibar, welch tolles Gefühl das ist, solch wunderschöne Geschöpfe in ihrer natürlichen Umgebung beobachten zu können.

Nach paar Minuten ist‘s ihnen zu langweilig, sie ziehen wieder weiter.
Heute Morgen war das deutlich anders: auch Flaute, auch unter Motorkraft, und wir hatten gerade unsere Schleppangel ausgeworfen, als einer der Crew uns mit dem Ruf „Delfine!“ alarmierte. Aber diese Gruppe Delfine war offensichtlich auf der Jagd, etwa 100 m auf Backbord sprangen sie immer wieder aus dem Wasser, und zeigten keinerlei Interesse an unserem Boot. Wolfgang sagte noch „Ich hole sicherheitshalber mal die Angel ein.“ Er war gerade am Kurbeln als sich die Spitze der Rute in abenteuerlichem Radius in Richtung Wasser verbog. Es hatte etwas angebissen!

Vorsichtig holt Wolfgang die Leine ein, nur nicht zu stark ziehen, damit uns nicht wieder die Leine reißt, wie schon mal vor paar Tagen. Nun ist die Beute schon recht nahe am Boot, man sieht es silbrig im Wasser glänzen. Nun nur ja keinen Fehler machen, damit die Beute nicht noch im letzten Moment verloren geht… Da, was war das? War das nicht gerade ein dunkler Schatten, etwa 20, 30 m hinter dem Boot, hinter unserer Beute? Könnte das vielleicht ein Hai gewesen sein, der uns unseren Fisch streitig machen wollte? Schnell den Kescher bereit gemacht, dann ist unser Fisch auch schon an Bord: ein Pracht-Exemplar eines Großaugen-Thunfischs! Schnell und waidgerecht getötet vermessen wir den Fang: stolze 11 Kg!!! Wir vermuten, dass ein Schwarm Thunfische von den jagenden Delfinen profitiert hat, uns sich einen Anteil von deren Beuteschwarm abgeknapst hat.
Zum Ausbluten lassen wir den Thun noch eine Weile im Bereich der Badeleiter hängen, bevor sich Wolfgang schließlich ans Ausnehmen und Zerlegen macht – also für heute Badeverbot… könnte ja sein, dass der dunkle Schatten von vorher vielleicht doch ein Hai war… den wir jetzt mit der Blutspur hinter uns her ziehen…
Nachtrag als Smutje: Dank des guten Kühlschranks der GALEB können wir heute die vierte Mahlzeit Thunfisch satt bestreiten… einen besseren, frischeren Thun hatte ich noch niemals gegessen!
Nachtrag Smutje (II): neulich habe ich’s geschafft, die ganzen 6-Manncrew richtig satt zu bekommen, und es sind sogar noch paar Nudeln übrig geblieben: waren ja schließlich auch 1500 g Spaghetti…
(Klaus)

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