Das Glück des Ahnungslosen (30.9.2014)

Oktober 4th, 2014 von GALEB

Heute Nachmittag prasseln plötzlich massenhaft SMS- und Sprach-Nachrichten auf diverse Mobiltelefone an Bord. Beim Rückrufen erfahre ich, dass meine Geldbörse gestern in Zadar gefunden worden sei. Bis dahin war meine Welt noch in Ordnung gewesen, denn glücklicherweise hatte ich bis dahin von deren Verlust noch nichts mit bekommen. Aufgrund der Mitgliedskarte des BLV (Bayrischer Luftsportverband) in meinem Geldbeutel, bekam meine Frau von dort die sehr zurückhaltende Information über die mögliche Tatsache eben dieses Verlusts. Ein gewisser Dragan, zu erreichen unter einer kroatischen Telefonnummer, lies wissen, dass sein Neffe meine Geldbörse gefunden hätte und diese gerne zurückgeben wolle.

Wir waren an diesem Tag bereits von Zadar aus nach Muline auf der Insel Ugljan gesegelt und in einer sehr schönen Bucht mit Sandstrand vor Anker gegangen. Mit Dragan verabredete ich umgehend ein Treffen für den nächsten Tag am Fähranleger in Zadar, denn vom Ort Preko auf Ugljan gibt es eine gute Fährverbindung dort hin. Unser Skipper hatte sich zufällig für den kommenden Tag mit Peter Willenbücher – einem Saison-Ugljaner – verabredet, um sich nach möglichen neuen Liegeplätzen für die GALEB auf der Insel umzusehen. Dank Peter löste sich so mein Transportproblem von Muline nach Preko und zurück wie von Geisterhand.

Der Rest der Geschichte erzählt sich fast von alleine. Ein zwar kurzes aber sehr herzliches persönliches Kennenlernen mit dem Finder und dessen Onkel Dragan. Schnelles Photo Shooting. Übergabe der Geldbörse. Ausgiebig Dankeschön sagen. Das Taschengeld des jungen ehrlichen Finders durch einen Finderlohn aufbessern. Und schon war alles wieder vorbei.

Dragan + Neffe

Dragan ist übrigens in Kempten aufgewachsen und hat dort nach der Schule Schreiner gelernt. Jetzt lebt er mit Frau und Kindern in Zadar und vermisst das Allgäu, die Schneewinter und das Snowboarden.

Und beinahe hätte ich es vergessen. Ganz wichtig: Entwarnung in Richtung Heimat senden, damit sich alle Nerven wieder entspannen können.

Diese Geschichte hat also ein gutes Ende gefunden.

Glückskind Dieter

Das schönste daran ist für mich, dass sich das Vorurteil „Die Welt wird immer schlechter“ wieder einmal nicht bestätigt hat.

Die Guten und ehrlichen sterben eben nicht aus. Man muss sie auch nicht suchen. Sie begegnen uns alltäglich. Offensichtlich sind unsere Sensoren durch die Medien stark dejustiert.

(Dieter)

 

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Palermo (4.8.2012)

August 14th, 2012 von GALEB

Nach einer traumhaftschönen Überfahrt (vor dem Wind – ohne Blister) von Ustica nach Palermo, bei Vollmond, fast glatter See und achterlichem Wind wollte uns in den Morgenstunden ein italienischer Fischer versenken, indem er mit lautem Gezeter und Geschrei von links kommend unser Segelboot zu rammen beabsichtigte. Nur durch einen Aufschießer im Letzten Augenblick konnte ich seine Pläne durchkreuzen.
Nach Tagesanbruch befanden wir uns vor der Hafeneinfahrt der Hauptstadt. Ein widerlicher Güllegestank ließ uns eine Viertel Stunde lang alle überflüssigen Atemzüge vermeiden. Als wir an dem Steg festmachten, wo wir vor vier Jahren schon gute Erfahrungen gemacht hatten (damals musste der Kühlschrankkompressor erneuert werden) konnten wir im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen – der freundliche Werftbesitzer Carlo organisierte in kürzester Zeit umfassende Hilfe: über Nacht wurde unser Blister (!!!) von der Firma Doyle repariert und auch das Ersatzteil für die Logge war am nächsten Tag da – nachdem der Händler in München zwei Wochen lang nix auftreiben konnte. Ein echter Glückstag!

Der Ausflug durch die Stadt bestätigt den Eindruck, den wir bereits von unserem letzten Besuch bekamen: der Lärm ist zwar allgegenwärtig, aber noch viel mehr der Gestank. Palärmo trifft es schon recht gut, Pastinko wäre jedoch etwas präziser. Als Resümee wird mein Vorurteil ein aberes Mal bestätigt:

Italien hat sein Flair erst dank
Dauerlärm, Dreck und Gestank!

(Wolfgang)

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Traumsegeln (22.7.2012)

Juli 23rd, 2012 von GALEB

Wenn ich immer nur von Missgeschicken und gelinden Katastrophen berichte, dann entsteht leicht der Eindruck, wir wären ständig nur im Kampf mit Unbill (dem bösen Bruder von Bill).

Dem ist beileibe nicht so! Wir erleben momentan an der Costa Smeralda das Segeln von seiner besten Seite. Poseidon (oder sind das eher die Hoheitsgewässer von Neptun?) und der Wind sind mit uns -– ja ja, auch die Kraft ist mit uns 🙂

Durch die Straße von Bonifacio rauschen wir vor Wind und Welle mit strammer Fahrt und biegen dann nach Süden ab in das Gebiet der sagenumwobenen Costa Smeralda – eine Inselwelt, die an die besten Regionen von Kroatien erinnert. Berlusconi und andere Ganoven stellen hier gerne ihre Beute zur Schau. Der Wind frischt immer mehr auf und pfeift mit rund 30kt schon recht ordentlich. Für eine ruhige Nacht steuern wir in die augenscheinlich hübsche Bucht von Porto Massimo, wo wir uns an einer Boje festmachen neben einer fast schon ärmlichen Bonzenmotoryacht (grad mal 18m). Der Eigner hat’s wohl nur mäßig weit gebracht, bedient jedoch alle Klischees. Dort drüben bekommen wir eine amüsante Show geboten von einem rundlichen sonnenbebrillten Geldsack und seinem Personal. Gerade zurück vom Restaurant an Land, in dem 15 Ober die Wichtigkeit ihrer Klientel bestätigen begibt sich der Geldgeber in den Liegestuhl an Deck und wird von einer luftigen Blondine betanzt, während die übrige Crew sich mit dem Problem des Ablegens von einer bzw. zwei Bojen beschäftigt. Kurz bevor der Gönner besprungen wird klappt das dann auch und das Gefährt fährt aus der Bucht.

Kopfüber an die Boje

Gleich darauf kommt eine Charteryacht an die Nachbarboje, deren Besatzung ein recht eigentümliches Festmachmanöver praktiziert: vom Vorschiff hängt sich ein Jüngling kopfüber vor den Bug und fädelt (auf den zweiten Versuch erfolgreich) eine Leine durch das Auge der Boje. Diese akrobatische Darbietung übten sie früh morgens erneut, nachdem sie von den starken Böen – an den Klippen vorbei – nach draußen getrieben wurden. Für uns war es trotz der Windgeräusche eine ruhige Nacht, die wir zu offenbar ortsüblichen Preisen erkauft haben…

(Wolfgang)

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Neustart (17.7.2012)

Juli 18th, 2012 von GALEB

Die GALEB ist wieder unterwegs mit Wolfgang und seiner Crew Klaus, Andi, Flo, Sebastian und Felix. In Porto Colom auf Mallorca verstauen wir Gepäck an Bord und bunkern Proviant.


Schon am nächsten Tag geht es los, um günstigen Wind für die Passage nach Sardinien nutzen zu können.
Hinter der Abschattung von Mallorca war segeln noch etwas zäh, weshalb ich die Chance gleich genutzt habe, die Logge frei zu kratzen, wo sich in kurzer Zeit Seepocken ansiedeln und das vierflügelige Rädchen blockieren.
Allein mit dem Finger war nix auszurichten, also mit einem Holzstäbchen rein gepuhlt – das bricht gleich ab und bei dem Versuch das Rädchen wieder frei zu bekommen, bricht auch gleich noch ein Flügelchen ab – Mist! Immerhin wird die Geschwindigkeit jenseits von 4 Knoten doch noch angezeigt.

Nachmittags versuchen wir unser Abendessen an die Angel zu bekommen. Nach kurzer Zeit beißt auch ein Fisch. Die Freude währt nur kurz, denn er taucht mit samt dem Köder ab.
Also frickel ich einen nagelneue Oktopusattrappe an die Leine. Es dauert keine Viertelstunde, bis wieder einer anbeißt. Nach kurzem aber heftigem Kampf kapituliert die 1mm dicke Angelleine und unser Opfer verschwindet in der Tiefe. Nach seiner Kraft zu schließen, hätte uns dieses Tier wohl eine Woche lang ernährt.
Bei bestem Wind um 18kt aus NW kommen wir unter Blister prima voran. Ständig zwischen 7-8 kt Fahrt und leicht achterliche Welle, die allerdings langsam  unangenehm hoch wird.
Die Nachtwachen haben eigentlich nicht viel zu tun, bis etwa 2 Uhr der Blister kurz einfällt und sich dabei so unglücklich in der Saling verhängt, dass er sofort in Fetzen geht. Die Bergung hat sich einigermaßen schwierig gestaltet, weil die stabile Segelkante, fest eingeklemmt, nur noch frei geschnitten werden konnte. Nach einer halben Stunde nächtlicher Arbeit konnten wir endlich unter vollen Segeln weiter den herrlichen Wind nutzen.

Wir sausen wunderbar übers Wasser doch knapp 100 Meilen vor Landfall (ca. 14:00) ist der Wind wie ausgeschaltet – so ähnlich hat es unser Wetterbericht tatsächlich angekündigt – aber man hofft ja doch immer. Nun laufen wir bei gemütlicher Badesee unter Motor. Der Kühlschrank ist kalt, frisches Wasser ist bereitet und die Mannschaft  ist frisch geputzt. Nur Flo hatte Pech und ihn quält der schmerzhafte Kontakt mit einer Qualle am Arm.
Wie immer ist hier was geboten – aber sonst ist alles prima an Bord

(Wolfgang)

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E-Mails

Juni 9th, 2009 von GALEB

Die Technik an Bord eines Schiffes hat so ihre Tücken und davon können alle Segler ein Lied singen. Nun haben wir uns heute nicht mehr nur mit Seilen, Segeln, Masten und Motoren zu ärgern – nein besonders die Elektronik ist ein Dauerpflegefall.
Die Dinge an Bord habe ich ja weitestgehend im Griff – mal schnell einen Autopilot reanimieren, ein brennendes Funkgerät ersetzen oder eine kochende Batterie lahm legen. Was ich allerdings nur schwer beeinflussen kann ist der Datenstrom, der sich durchs Internet und über den Äther den Weg von und zur GALEB bahnt. Will sagen: es scheint so, als würden nicht immer alle Mails ihre Empfänger finden.
Wir haben auf unserer gesamten Reise praktisch jede Mail, die uns erreicht hat möglichst zeitnah beantwortet. Sollte also jemand keine Reaktion erhalten haben, ist seine Mail wahrscheinlich irgendwo gestrandet. Das täte uns sehr leid, denn wir freuen uns immer über Kontakte zur Außenwelt, aber manchmal werden vermutlich einzelne Datenpakete per Flaschenpost transportiert.

Nachdem wir bei bestem Wetter mit lauem Wind die Küste von Portugal vor dem Bug haben und der Konvoi für alle ein gerüttelt Maß an Sicherheit bietet, könnt Ihr uns ab sofort wieder hemmungslos anschreiben – die Notfallkommunikation ist abgeschlossen – alle Kanäle sind wieder frei.
Trotz alledem sind wir schon seeeehr gespannt, welche Kommentare wir nach unserem Landfall im alten Europa auf unserer Website lesen dürfen – also haut in die Tasten!

(Wolfgang)

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Wieder auf See

Juni 6th, 2009 von GALEB

In Horta bekamen wir von Manfred LA ROSSA einen 6m langen Spinnakerbaum geliehen, den wir nun auf der GALEB als Notrigg aufgestellt haben. Auch Rudi auf NIEJE LEEV wurde so mit einem neuem Mast ausgestattet.
Am Montag 1.6.09 abends sind wir mit Rudi unter Geleit von Volker SUNJET zu dritt ausgelaufen mit Ziel Ponta Delgada auf Sao Miguel, das 160sm von Fajal entfernt ist. Bei kräftigem achterlichem Wind konnten wir zusätzlich zu dem Hals über Kopf geheißten Sturmsegel auch noch Teile unseres Blisters setzen, der sich als Treibanker seinerzeit schon bewährt hat. In dieser Konfiguration haben wir unser Zwischenziel planmäßig am Mittwoch bei Sonnenaufgang ohne Motorhilfe erreicht. Carina hat diese Etappe in dauerübler Erinnerung, sich aber als tapfere Seemännin nicht abhalten lassen, den Sprung ans Festland mit der ganzen Familie zu machen.
Die Tanks des Geleitzuges wurden aufgefüllt und schon am Abend stachen die drei Schiffe wieder in See um die 850sm zum Kontinent in Angriff zu nehmen.

Manfred auf LA ROSSA hat fast zeitgleich die Leinen in Horta losgeworfen, um den drei Gemütsseglern zu folgen. Im Funk erfuhren wir von den Leiden dieses Seemannes, der sein schnelles Schiff bei besten Bedingungen nicht laufen lassen darf, um nicht an den Havaristen vorbei zu fliegen. Überdies seiner Spi-Bäume beraubt noch nicht einmal kurzzeitig das große Tuch spaßhalber setzen kann.

Am Montag will Achim mit ACROPAL in Horta starten um als Lumpensammler dem Konvoi den Rücken zu decken. Dank seiner angestrebten Geschwindigkeitsrekorde und der gedrosselten Boote von Volker und Manfred werden wir alle wohl ziemlich zeitgleich Iberia erreichen.

Die Funkrunde mehrmals täglich zwischen den Booten und Christoph dem „Seelotsen“ gibt uns das gute Gefühl wunderbar getragen zu sein. Auf alle Fälle ist die GALEB umringt von guten Helfern sicher unterwegs und die Besatzung ist bester Stimmung. Wir lassen es uns gut gehen.

(Wolfgang)

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Danke!

Juni 2nd, 2009 von GALEB

Eure Kommentare und Mails sind so Mut machend, bewegend und herzerwärmend! Es ist uns klar, dass wir es sein müssen, die die liebsten Verwandten und Freunde, die allerbesten Nachbarn und Bekannten haben.
Danke natürlich auch jenen, die uns mit ihren lieben Gedanken begleitet und unterstützt haben, auch wenn diese in Worte (oder sogar Verse) gefasst natürlich besonders schön sind.
Herzlichsten Dank der „ALPHA ERA“, die uns in einer professionell vorbereitet und durchgeführten Übergabeaktion mit 500l Diesel beschenkt und somit gerettet hat!
Vielen vielen Dank unserem „Tankerteam“, den beiden Segelyachten MERRY MARY und ACROPAL, die nach unserem Mastbruch ihren Schönwetterkurs über den Atlantik verlassen und stattdessen immer auf die GALEB zugehalten haben, um uns im Notfall mit weiterem Sprit zu versorgen.
Und danke natürlich unserem Seelotsen Christoph und den anderen Funkern, die die Koordination überhaupt ermöglicht haben und sogar unsere Kinder einquartiert hätten.
Und ihr lieben Segler, die ihr uns bei unserer Ankunft in Horta einen so rauschenden Empfang bereitet und uns so herzlich in Eure Gemeinschaft aufgenommen habt: tausend Dank!

Ursprünglich sollte unsere gemeinsame Reise ja auf den Azoren zu Ende sein, doch der Mastbruch macht eine weitere Etappe nötig. Wir müssen die GALEB noch in eine Werft nach Faro am portugiesischen Festland bringen.
Wir freuen uns, wenn Ihr uns auch dabei in Gedanken unterstützt und begleitet und den einen oder anderen Kommentar schreibt!

Und zurück in Deutschland werden wir alle zusammen Ende Juli eine große Wiedersehens-Party feiern! Merkt Euch schon mal den 25.7.09 vor.

(Carina)

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Horta

Mai 26th, 2009 von GALEB

Geschafft!
Die GALEB ist nach fast zwanzig ereignisreichen Tagen auf See in Horta gelandet. Die Mannschaft ist glücklich und erschöpft. Unser Empfang war grandios – der halbe Hafen hat sich auf die Beine gemacht, um uns zu begrüßen. Über die Toppen des Surfsegels beflaggt im Geleit von MERRY MARY wurden wir mit Signalhörnern und Jubel an die Pier gelotst. Champagner wurde geköpft und auf einer spontanen Party konnten alle Beteiligten und Beobachter ihrer Freude freien Lauf lassen. Heute Abend feiern alle in einem nahe gelegenen Lokal.

Das Leben geht weiter. Nun muss das Boot klargemacht werden, was einige Tage in Anspruch nehmen wird. Danach wird die Crew planmäßig per Flugzeug nach Hause fliegen. Der Käptn muss noch ein bisschen weiter machen und das Schiff nach Portugal überführen, wo es wieder in Stand gesetzt werden kann.
Soviel in aller Kürze – unser Seelotse Christoph DH2LC ist unglaublich schnell  – auf seiner Seite könnt ihr die ersten Bilder schon bewundern.
Bitte schreibt alle Eure Kommentare fleißig hier rein – es war und ist uns eine große Freude, jede einzelne Anteilnahme zu lesen.

(Wolfgang)

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