Vor dem Wind nach Almeria

Oktober 24th, 2008 von administer

Es ist ein Uhr nachts, ich sitze am Steuer mit Blick auf den Blister – unser schönstes Segel -und den funkelnden Sternenhimmel. Wellen und Wind rauschen sanft und schieben unser Boot sehr magenverträglich mit gut 5kt vorwärts. Genau hinter uns ist gerade der Mond aufgegangen. Er sieht heute aus wie ein Zitronenspeitel und schickt eine Lichtstraße bis zu unserem Heck. Im Kielwasser tauchen Leucht-UFOs auf (tellergroße Quallen die, wenn erschreckt, aufleuchten). Diese Nacht segeln wir die spanische Südküste entlang nach Almeria.

Die vergangene Nacht verbrachten wir nach teils rasanter Passage von Formentera zum spanischen Festland im geschützten „Mar Menor“, im Päckchen vor Anker mit unseren türkischen Freunden von der ORER. Die Jungs standen dann morgens ganz tapfer zeitig auf, um bei einer Tasse Kakao schon mal den Großteil des Tagesschulpensums zu erledigen, solange das Klassenzimmer nicht schaukelt. Nach einem türkischen Tee am Nachbarboot hieß es „Anker auf“ – vor uns ca. 120 sm gen Westen.
Seither reisen wir sehr gemütlich unter Segeln. Milena hat ihre Knete ausgepackt und alle zum Mitkneten animiert. Daneben ist noch Zeit zum Lesen, zum Trompete-, Klavier- und Gitarrespielen, und sogar für ein Schläfchen im Trampolin bei Sonnenschein. Lediglich überraschender Delphinbesuch bringt etwas Trubel in die Szene. Zum Abendessen kredenzt Felix Zwiebelsuppe al Maggi, Moritz und ich reichen Kartoffeln mit Butter, Schinken und Käse. Und dann… zu Milenas Entzücken: Filmabend mit Pipi Langstrumpf.
Moritz übernimmt dann gleich die erste Wache, und ich werde mich um drei Uhr vom Käptn persönlich ablösen lassen – gute Nacht.

(Carina)

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Galeb Urquell

Oktober 20th, 2008 von GALEB

Ein eigenes Wasserwerk ist Luxus? Nein – das ist Freiheit!
Auf Chartertörns habe ich sowas nie vermisst und es war völlig normal, vor dem Ablegen für die gesamte Crew den Wochenbedarf an Trinkwasser zu bunkern. Das heißt in der Praxis einen Laden komplett auszuplündern, zentnerweise Plastikflaschen oft lange Wege bis zum Boot zu schleppen und dann die schwere Beute in alle verfügbaren Stauräumen des Bootes zu verteilen. Wenn die Fahrt länger dauert, dann muss man halt rechtzeitig eine Einkaufsmöglichkeit finden, um das Ritual zu wiederholen.
Natürlich gibt es Besatzungen, deren Flüssigkeitsbedarf ausschließlich aus Bierdosen, Weinflaschen und Flachmännern gedeckt wird – bei uns ist eher Dihydrogenoxid zur oralen Applikation angesagt. Zusätzlich ist es üblich einen Vorrat Brauchwasser zur äußerlichen Anwendung in einem mehr oder weniger großen Tank mitzuführen. Allerdings darf es einem nicht grausen, die verschiedenen Wässerchen darin zu mixen, die in den Häfen der Welt per Gartenschlauch zapfbar sind – Chlor als dominanter Aromastoff
ist da eher positiv zu beurteilen. Zum Deck- und Rückenschrubben mag der Mix qualitativ hinreichend sein, aber schon zum Geschirrspülen oder gar Zähneputzen greift man vielleicht lieber zur Flasche. Bislang habe ich persönlich in der Vergangenheit zwar alles überlebt, aber es war früher nicht immer klar, weshalb jemanden gelegentlich Montezumas Rache ereilte.
Im Vorfeld der Reiseplanung entschied ich, eine Meerwasserentsalzungsanlage (schönes Wort) in unseren Katamaran einzubauen. Die damit erreichte Unabhängigkeit ist sensationell und ich genieße es täglich, in den Keller zu gehen und ein Fläschchen „Original GALEB Urquell“ aus einem separaten Kanister zu zapfen. Überdies wird auch unser (nagelneuer) Wassertank mit feinstem Trinkwasser befüllt, so dass jeder Wasserhahn im Boot uneingeschränkt nutzbar ist.
Meine ursprüngliche Skepsis wegen des Pflegeaufwandes der Anlage erwies sich nach bisheriger Erfahrung als unbegründet. Das äußerst kompakte System ETB301 der französischen Firma SLCE ist problemlos in der Montage und im Betrieb. Gerne berichte ich bei Interesse über Details. Jede Stunde, die das Pümpchen brummt fließen 30 Liter H2O in Babynahrungsqualität zuerst in einen 20 l Vortank dann in den 400 l Haupttank. Damit kommen wir fünf schon eine ganze Weile zurecht.
Carina bemerkte als erstes, dass auf dem Tee kein Film mehr schwimmt, der früher immer so ungut von den Tassen zu spülen war. In Verbindung mit unserem gebunkerten Milchpulvervorrat kann auch Milena jederzeit ihre Honigmilch haben und Moritz seinen geliebten Pudding kochen.

(Wolfgang)

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Neues Funkgerät

Oktober 17th, 2008 von administer

Brauchen Sie ein neues Funkgerät? Eine Anleitung in sechs Schritten:

1. Überzeugen Sie per Telefon von Mallorca aus Ihren Funkerfreund bei München, sein Funk(tionierendes)-Gerät gegen Ihren Schrott einzutauschen (103 Dank an DJ7XU von AF6IO!!).

2. Die Tochter Ihrer Cousine, die zufällig in La Palma wohnt, sucht günstige Flüge für den Boten aus Deutschland heraus.

3. Ihr älterer Bruder (wohnhaft bei Nürnberg) kauft im Internet die Billigflugkarten, die er dem Funkerfreund e-mailt.

4. Dieser druckt sie aus und überbringt sie zusammen mit seinem Funkgerät Ihrer Mutter an einem Treffpunkt in München.

5. Ihre Mutter findet schon einen Weg, um gegen 3:15 Uhr ohne Auto (mit Mann verreist) und ohne S-Bahn (die schläft nachts) zum Flughafen zu kommen (Der nette Nachbar chauffiert gerne um diese Zeit).

6. Jetzt müssen Sie nur noch am 10.Oktober um ca. 8:30 Uhr Ihre Mutter, Ihr neues Funkgerät und 2 Zentner Haferflocken mit einem Leihwagen vom Flughafen in La Palma abholen. Fertig.

(Clothilde)

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Rauchzeichenkommunikation – Mallorca

Oktober 8th, 2008 von administer

Porto Petro, Mallorca

Von Mahon, Menorca segelnd ist unser Boot inzwischen auf Mallorca angekommen und liegt nun in Porto Petro vor Anker.

Leider hat die Sendeendstufe des Amateurfunkgerätes ICOM IC7000 an Bord durch senden von Rauchzeichen mitgeteilt, dass sie bis auf weiteres die Kooperation einstellt und damit die Kommunikation über Kurzwelle bestreikt.

Das hat leider zur Konsequenz, dass derzeit weder Positionsmeldungen abgegeben, noch e-mails über Winlink auf Kurzwelle ausgetauscht werden können. Der Kapitän teilte mir mit, dass er sich höchstpersönlich um eine umgehende Behebung kümmert. Bis dahin wird die geneigte Leserschaft um Geduld gebeten.

(Andreas)

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Sardinien

Oktober 6th, 2008 von GALEB

Ursprünglich wollten wir von Tunesien direkt nach Mallorca segeln, denn der Wetterbericht hatte diesbezüglich guten Wind prophezeit. Letzterer mag irgendwo anders geweht haben, bei uns jedenfalls nicht, so dass wir unser bisher längstes Stück mit Motor fahren mussten und dann nach über 32 Stunden Fahrzeit (etwa die Hälfte unter Maschine) in einer Bucht auf Sardinien Anker warfen. Der Zwischenstopp in Sardinien bedeutete erstmal eine ruhige Nacht und einen vertretbaren Umweg auf der Reise zu den Balearen.
Alle nun befragten Wetterfrösche waren sich einig, dass uns in den kommenden Tagen auf der Passage Richtung Mallorca starke Winde auf die Nase blasen würden und so waren wir fürs Erste in Sardinien gefangen. Wie schön! Glasklares Wasser, Sandstrand, Berge, absolut idyllisch und einsam – nur ohne jede Einkaufsmöglichkeit. Wolfgang konnte es erst gar nicht so genießen, weil ihn die Frage quälte, ob wir Malle doch hätten direkt erreichen können, um im Folgenden dann mehr Zeit für Marokko zur Verfügung
zu haben. Aber auch er ergab sich der Schönheit Sardiniens.
Nach zwei Tagen haben wir uns gute 30 sm weiter in die Marina von Carloforte verlegt. Ein superidyllisches Städtchen auf der Insel San Pietro, ausgestattet mit allem, was das Herz begehrt: Dusche, Bäckerei, Supermarkt in Bootsnähe (da muss man die Einkäufe nicht so weit schleppen), Pizzeria, Gelateria, und … sogar eine Wäscherei!
Hier genießen wir also die Zivilisation (zu dieser Jahreszeit touristenfrei), lassen die Stürme über uns hinwegblasen und machen uns bereit, das kleine, als günstig vorhergesagte Zeitfenster von So bis Di für die nächste Etappe zu nutzen.
Übrigens ist auch in Sardinien der Herbst eingekehrt. Milena sammelt gelbe Blätter und die Nächte sind geschätzte 16°C kühl.

(Carina)

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Schule an Bord

Oktober 3rd, 2008 von GALEB

…mal was anderes.
Zum Beispiel haben Felix und ich freie Wahl, wie viel Zeit wir für welches Fach aufwenden. Dafür müssen wir uns ziemlich zusammenreißen, dass wir nicht schönere Sachen machen wie schwimmen, Musik hören oder lesen. Es ist aber sehr angenehm, dass wir nicht wie zu Hause früh aufstehen müssen. Ich habe schon meine erste Eins geschrieben, bevor die Schule in Deutschland überhaupt losging. Aber was ich am besten finde: wir können beim Lernen in der Mittagshitze zwischendurch eine Kleinigkeit Essen oder
trinken. Meistens erledigen wir die Schule in Häfen oder Buchten weil es nicht so schaukelt. Es ist schwer, sich zu konzentrieren, weil Milena alles, was sie tolles gemacht hat, erzählen muss. Deshalb stecken wir uns Ohropax in die Ohren und damit der Wind nicht umblättert, klemmen Wäscheklammern an den Buchecken. Ich glaube wir kommen ganz gut zurecht und ich hoffe, dass wir die Aufnahmeprüfung gut hinter uns bringen, wenn wir zurück kommen.

(Moritz)

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