Galeb Urquell

Oktober 20th, 2008 von GALEB

Ein eigenes Wasserwerk ist Luxus? Nein – das ist Freiheit!
Auf Chartertörns habe ich sowas nie vermisst und es war völlig normal, vor dem Ablegen für die gesamte Crew den Wochenbedarf an Trinkwasser zu bunkern. Das heißt in der Praxis einen Laden komplett auszuplündern, zentnerweise Plastikflaschen oft lange Wege bis zum Boot zu schleppen und dann die schwere Beute in alle verfügbaren Stauräumen des Bootes zu verteilen. Wenn die Fahrt länger dauert, dann muss man halt rechtzeitig eine Einkaufsmöglichkeit finden, um das Ritual zu wiederholen.
Natürlich gibt es Besatzungen, deren Flüssigkeitsbedarf ausschließlich aus Bierdosen, Weinflaschen und Flachmännern gedeckt wird – bei uns ist eher Dihydrogenoxid zur oralen Applikation angesagt. Zusätzlich ist es üblich einen Vorrat Brauchwasser zur äußerlichen Anwendung in einem mehr oder weniger großen Tank mitzuführen. Allerdings darf es einem nicht grausen, die verschiedenen Wässerchen darin zu mixen, die in den Häfen der Welt per Gartenschlauch zapfbar sind – Chlor als dominanter Aromastoff
ist da eher positiv zu beurteilen. Zum Deck- und Rückenschrubben mag der Mix qualitativ hinreichend sein, aber schon zum Geschirrspülen oder gar Zähneputzen greift man vielleicht lieber zur Flasche. Bislang habe ich persönlich in der Vergangenheit zwar alles überlebt, aber es war früher nicht immer klar, weshalb jemanden gelegentlich Montezumas Rache ereilte.
Im Vorfeld der Reiseplanung entschied ich, eine Meerwasserentsalzungsanlage (schönes Wort) in unseren Katamaran einzubauen. Die damit erreichte Unabhängigkeit ist sensationell und ich genieße es täglich, in den Keller zu gehen und ein Fläschchen „Original GALEB Urquell“ aus einem separaten Kanister zu zapfen. Überdies wird auch unser (nagelneuer) Wassertank mit feinstem Trinkwasser befüllt, so dass jeder Wasserhahn im Boot uneingeschränkt nutzbar ist.
Meine ursprüngliche Skepsis wegen des Pflegeaufwandes der Anlage erwies sich nach bisheriger Erfahrung als unbegründet. Das äußerst kompakte System ETB301 der französischen Firma SLCE ist problemlos in der Montage und im Betrieb. Gerne berichte ich bei Interesse über Details. Jede Stunde, die das Pümpchen brummt fließen 30 Liter H2O in Babynahrungsqualität zuerst in einen 20 l Vortank dann in den 400 l Haupttank. Damit kommen wir fünf schon eine ganze Weile zurecht.
Carina bemerkte als erstes, dass auf dem Tee kein Film mehr schwimmt, der früher immer so ungut von den Tassen zu spülen war. In Verbindung mit unserem gebunkerten Milchpulvervorrat kann auch Milena jederzeit ihre Honigmilch haben und Moritz seinen geliebten Pudding kochen.

(Wolfgang)

Geschrieben in Berichte | 2 Kommentare »

2 Kommentare

  1. Roland Sagt:

    Trinkwasser aus dem Hahn – das ist durchaus Luxus, den wir Landratten hier glücklicherweise jeden Tag genießen dürfen! Wie schön, dass ihr das auch habt. Ein Prosit auf Eure Gesundheit.

  2. Axel Haefeker Sagt:

    Servus Wolfgang und co,
    am heutigen Tag lasse einmal das selbsterzeugte Wasser – auch wenn’s gut schmeckt – beiseite und trinke mit uns (das sind Deine lieben Kolleg(inn)en von der 2303 uaf Dein Wohl. Alles Gute zum Geburtstag und weiterhin immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
    Liebe Grüsse
    Axel (Chef)

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