Läuft nicht immer rund

August 21st, 2011 von administer

Auf unserer Reise in die Karibik haben wir gelernt, mit allerlei Unbill um zu gehen. Natürlich hat man nicht alles in der Hand. Zur Risikominimierung kann man lediglich versuchen, eine Reihe möglicher Probleme im Vorfeld durchzudenken und Maßnahmen zur Vermeidung zu ergreifen. Doch die Gegenwart weist immer wieder Überraschungen auf, die dann mit wachen Sinnen rechtzeitig erkannt werden müssen, damit ein Desaster vielleicht noch vermieden werden kann. So ist das im Leben ganz allgemein und beim Segeln ganz besonders.

Also habe ich erstmal einen Kontrollblick in die Motorräume geworfen, bevor wir uns zu einem Ausflug in Richtung Lagos aufmachen wollten. Backbordseitig war das durchaus ergiebig, denn es stand bereits knöcheltief das Wasser unter der Maschine. Ein kurzer Testlauf offenbarte sofort die Ursache: das Mischerrohr für Abgas und Kühlwasser war am Flansch durchgerostet. Beim Versuch, das Ding vorsichtig abzubauen, zerlegte es sich in seine Bestandteile. Nicht auszudenken, wenn sowas bei laufendem Motor passiert: der Motorraum wäre in Kürze voll Seewasser gepumpt. Gerade noch rechtzeitig ertappt! Also mal schnell ein Ersatzteil aus der Bilge gekramt und montiert – leider auch nicht ganz dicht. Die Schweißnaht muss an einer Stelle nachgebessert werden. Mit meinem Tretroller bin ich flugs bei unserer Werft und bitte den Schweißer um eine kleine Inox-Naht. Würde er ja gerne sofort machen, aber sein Schweißgerät ist kaputt. Nun denn – die Kiste habe ich ihm kurzerhand repariert. Als Dankeschön zieht der Schweißer so viele Kehlnähte, wie er auf dem kleine Teil nur unterbringen kann.

Für unsere Fahrt nach Lagos brauchten wir die Maschinen nicht wirklich, denn wir konnten herrliche Segelbedingungen nutzen. Traumsegeln entlang der Felsalgarve.

 

In der Bucht von Lagos briest es abends gehörig auf, so dass die Surfer aus ihren Löchern kriechen und den ablandigen Wind nutzen, um über die Wellen zu fliegen. Wir ankern über Nacht unmittelbar vor dem Strand auf gutem Sandgrund. Es pfeift mit 25-30 kt durch die Takelage. Die elektronische Ankerwache lässt den Skipper bei solchen Bedingungen ruhiger schlafen. Am nächsten Morgen ist wieder eitel Sonnenschein und wir verholen ein paar Meter weiter östlich, wo noch zwei andere Yachten liegen. Tagsüber genießen wir ausgiebiges Baden in Sonne, Sand und Meer. Gegen Abend frischt der Wind wieder auf und wir beschließen heute doch nicht weiter zu fahren. Der Skipper gesellt sich also mit dem bordeigenen Surfbrett zu den Eingeborenen und genießt jedes Knötchen mehr an Windgeschwindigkeit, das bestens in Speed umgesetzt werden kann. So geht es immer besser hin und her: Eine Halse vor der GALEB und die nächste kurz vor dem Strand. Dazwischen ca. 5 min auf der Finne des Surfbretts dahin reiten. Doch plötzlich fehlt auf dem Rückweg der Peilpunkt. Wo ist unser Kat? Gerade war er doch noch dort vorne vor der Kaimauer!? Wie ich näher komme, entdecke ich das Boot etliche Rumpflängen nach Lee versetzt und Carina, Felix und Moritz an Deck. Warum haben die mal schnell verlegt? In Sekundenschnelle bin ich mit dem Surfbrett längsseits und erfahre die ganze Geschichte:

Offenbar ging ziemlich schlagartig unser Anker auf Slip und wollte sich in dem Sandboden nicht wieder eingraben. Dabei wurde die GALEB ausgerechnet auf ein anderes Segelboot getrieben, das genau in Windrichtung dahinter vor Anker lag. Wie in einem schlechten Drehbuch zielte dessen Bug bei unserem Katamaran genau zwischen die Rümpfe. Nur die Ankerkette legte sich unter unserem Backbordrumpf durch und hielt den Gegner wenige Zentimeter vor dem Crash auf Abstand. Geistesgegenwärtig haben Felix und die Restcrew ihre einzige Chance genutzt und die Maschinen gestartet. Der Aufforderung, mehr Kette zu strecken, damit Platz zum Manövrieren entsteht, konnte die völlig paralysierte Besatzung des Opferbootes nicht nach kommen. In der Folge kam zwar die GALEB frei, schlug aber mit einer Schiffsschraube in die gespannte Ankerkette. Die Kette blieb zwar heil, aber der Schraube brach ein Zacken aus der Krone.

 

Nachdem ich mich vom Wohlbefinden der beiden Kanadier und ihres Bootes überzeugt hatte, beschlossen wir, sofort den Rückweg nach Portimao anzutreten und den abendlichen Wind in Strecke umzusetzen. Ein Stündchen auf Raumkurs wurde mit einem ruhigen Liegeplatz und einem Feuerwerk belohnt.

Am nächsten Tag sollte es bei gemütlichem Westwind zurück nach Olhao gehen.

Wird diese Fahrt glatt gehen?

Hoffen wir das Beste, lieber Leser…

(Wolfgang)

 

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1 Kommentar

  1. Manfred Sagt:

    Hallo ihr Lieben, geht es bei Euch auch mal ohne Aufregung?!!
    Allzeit gute Fahrt!
    U&M

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