Rückweg

August 27th, 2011 von administer

Herrlicher Westwind lockt uns am nächsten Morgen aufs Meer hinaus. Die Rückfahrt zum Ria Formosa fällt wieder einmal unter die Kategorie Traumsegeln. Achterlicher Wind mit 10-14 kt unter Blister, unterstützt von sanfter Welle, dazu leckere Häppchen und kühle Getränke. So geht es den ganzen Tag fröhlich dahin. Unter abendlicher Sonne spielen Sardinenschwärme so weit das Auge reicht. Man kann sie sogar in der leicht welligen See noch ausmachen. Steuerbord voraus tummeln sich ein paar Fischerboote und bedienen sich reichlich in der Natur.

Kurz vor Sonnenuntergang gelingt den Fischern ein stattlicher Fang. Mit einem leichten Rumpeln und einer spürbaren Verzögerung bleibt die GALEB an einer Ringwade hängen. Sofort wird das Segel gestrichen und wir kommen von dem Netz relativ leicht wieder frei – glücklicherweise haben sich weder Schiffsschrauben noch Ruderblätter verhängt. Nur leider sitzen wir jetzt inmitten des Kreises aus bräunlichen Schwimmkörpern, der selbst aus unmittelbarer Nähe nur schwer auszumachen ist. Unter uns mehr Fisch, als wir jemals essen könnten, aber keiner hat den Nerv, sich mit dem Käscher zu bedienen. Stattdessen kommt uns ein Fischer im Beiboot zur Hilfe und wirft uns eine Leine über. Mit seinem Außenborder kommt er ganz lässig über die Netzkante, aber wir bleiben auf dem Weg in die Freiheit nachhaltig hängen. Da hilft auch ziehen und zerren mit dem Beiboot nix. Ich kann uns letztlich nur befreien, indem ich mit Schnorchel in den glücklicherweise warmen Atlantik springe und das gespannte Netz von beiden Saildrives zerre. Die wiedergewonnene Freiheit fühlt sich prima an – unter Blister können wir sofort wieder Fahrt aufnehmen. Unseren Leidensgenossen, den Sardinen bleibt die Flucht verwehrt – ihr Schicksal ist besiegelt.

Unseres jedoch noch nicht. So fahren wir munter in die Nacht hinein und können direkt auf die Einfahrt zum Ria Formosa zu halten. Mit fallendem Wasserstand hilft uns sogar die Strömung bis dorthin etwas, wobei in der Einfahrt bis zum Niedrigwasser ordentlich Gegenstrom zu erwarten ist. Entlang der Küste unter glitzernden Sternen und gurgelndem Kielwasser – so gefällt uns das Leben. Bis der Ruf des Skippers der Gemütlichkeit ein jähes Ende setzt: „Ruder hart Steuerbord!“ Das Echolot zeigt nur noch wenige Handbreit unter den Kielen und die Brandung rauscht schon vor uns. Laut Seekarte sollten es noch über drei Meter Wassertiefe haben, aber auf die Sandbänke ist ebenso wenig Verlass, wie auf die heimischen Kreditinstitute. Diese Bank wurde offenbar erst kürzlich eröffnet und stellt sich uns frech in den Weg. Nicht auszudenken, wenn wir jetzt eine Stunde vor Niedrigwasser in der zwar sanften aber trotzdem vernichtenden Brandung festsitzen würden. Ich konnte den Sand schon fast spüren. Durch den Richtungswechsel zeigt der Tiefenmesser langsam die rettenden zusätzlichen Zentimeter. Geschafft! Nochmal dem Schicksal vom Haken gesprungen.

Jetzt nur noch einen kleinen Schlenker und wir sind zwischen dem roten und grünen Leuchtturm der Einfahrt. Kürzlich konnte ich erstmals in Portugal dicken Nebel erleben, so dass man nur mit Hilfe von GPS und Radar ins Loch schlupfen konnte. Diesmal war das glücklicherweise nicht nötig. Kurz hinter der Einfahrt werfen wir die Kralle in den Sand und alle verkriechen sich in die Kojen. Alles gut.

Demnächst machen wir einen Ausflug nach Lissabon. Die Westküste von Portugal ist um diese Jahreszeit recht ungemütlich. Ständig um 30 kt Nordwind und heftige Wellen. Ideal zum Surfen, aber nix für meine Crew. Ich besorge schonmal ein paar Bustickets…

(Wolfgang)

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Läuft nicht immer rund

August 21st, 2011 von administer

Auf unserer Reise in die Karibik haben wir gelernt, mit allerlei Unbill um zu gehen. Natürlich hat man nicht alles in der Hand. Zur Risikominimierung kann man lediglich versuchen, eine Reihe möglicher Probleme im Vorfeld durchzudenken und Maßnahmen zur Vermeidung zu ergreifen. Doch die Gegenwart weist immer wieder Überraschungen auf, die dann mit wachen Sinnen rechtzeitig erkannt werden müssen, damit ein Desaster vielleicht noch vermieden werden kann. So ist das im Leben ganz allgemein und beim Segeln ganz besonders.

Also habe ich erstmal einen Kontrollblick in die Motorräume geworfen, bevor wir uns zu einem Ausflug in Richtung Lagos aufmachen wollten. Backbordseitig war das durchaus ergiebig, denn es stand bereits knöcheltief das Wasser unter der Maschine. Ein kurzer Testlauf offenbarte sofort die Ursache: das Mischerrohr für Abgas und Kühlwasser war am Flansch durchgerostet. Beim Versuch, das Ding vorsichtig abzubauen, zerlegte es sich in seine Bestandteile. Nicht auszudenken, wenn sowas bei laufendem Motor passiert: der Motorraum wäre in Kürze voll Seewasser gepumpt. Gerade noch rechtzeitig ertappt! Also mal schnell ein Ersatzteil aus der Bilge gekramt und montiert – leider auch nicht ganz dicht. Die Schweißnaht muss an einer Stelle nachgebessert werden. Mit meinem Tretroller bin ich flugs bei unserer Werft und bitte den Schweißer um eine kleine Inox-Naht. Würde er ja gerne sofort machen, aber sein Schweißgerät ist kaputt. Nun denn – die Kiste habe ich ihm kurzerhand repariert. Als Dankeschön zieht der Schweißer so viele Kehlnähte, wie er auf dem kleine Teil nur unterbringen kann.

Für unsere Fahrt nach Lagos brauchten wir die Maschinen nicht wirklich, denn wir konnten herrliche Segelbedingungen nutzen. Traumsegeln entlang der Felsalgarve.

 

In der Bucht von Lagos briest es abends gehörig auf, so dass die Surfer aus ihren Löchern kriechen und den ablandigen Wind nutzen, um über die Wellen zu fliegen. Wir ankern über Nacht unmittelbar vor dem Strand auf gutem Sandgrund. Es pfeift mit 25-30 kt durch die Takelage. Die elektronische Ankerwache lässt den Skipper bei solchen Bedingungen ruhiger schlafen. Am nächsten Morgen ist wieder eitel Sonnenschein und wir verholen ein paar Meter weiter östlich, wo noch zwei andere Yachten liegen. Tagsüber genießen wir ausgiebiges Baden in Sonne, Sand und Meer. Gegen Abend frischt der Wind wieder auf und wir beschließen heute doch nicht weiter zu fahren. Der Skipper gesellt sich also mit dem bordeigenen Surfbrett zu den Eingeborenen und genießt jedes Knötchen mehr an Windgeschwindigkeit, das bestens in Speed umgesetzt werden kann. So geht es immer besser hin und her: Eine Halse vor der GALEB und die nächste kurz vor dem Strand. Dazwischen ca. 5 min auf der Finne des Surfbretts dahin reiten. Doch plötzlich fehlt auf dem Rückweg der Peilpunkt. Wo ist unser Kat? Gerade war er doch noch dort vorne vor der Kaimauer!? Wie ich näher komme, entdecke ich das Boot etliche Rumpflängen nach Lee versetzt und Carina, Felix und Moritz an Deck. Warum haben die mal schnell verlegt? In Sekundenschnelle bin ich mit dem Surfbrett längsseits und erfahre die ganze Geschichte:

Offenbar ging ziemlich schlagartig unser Anker auf Slip und wollte sich in dem Sandboden nicht wieder eingraben. Dabei wurde die GALEB ausgerechnet auf ein anderes Segelboot getrieben, das genau in Windrichtung dahinter vor Anker lag. Wie in einem schlechten Drehbuch zielte dessen Bug bei unserem Katamaran genau zwischen die Rümpfe. Nur die Ankerkette legte sich unter unserem Backbordrumpf durch und hielt den Gegner wenige Zentimeter vor dem Crash auf Abstand. Geistesgegenwärtig haben Felix und die Restcrew ihre einzige Chance genutzt und die Maschinen gestartet. Der Aufforderung, mehr Kette zu strecken, damit Platz zum Manövrieren entsteht, konnte die völlig paralysierte Besatzung des Opferbootes nicht nach kommen. In der Folge kam zwar die GALEB frei, schlug aber mit einer Schiffsschraube in die gespannte Ankerkette. Die Kette blieb zwar heil, aber der Schraube brach ein Zacken aus der Krone.

 

Nachdem ich mich vom Wohlbefinden der beiden Kanadier und ihres Bootes überzeugt hatte, beschlossen wir, sofort den Rückweg nach Portimao anzutreten und den abendlichen Wind in Strecke umzusetzen. Ein Stündchen auf Raumkurs wurde mit einem ruhigen Liegeplatz und einem Feuerwerk belohnt.

Am nächsten Tag sollte es bei gemütlichem Westwind zurück nach Olhao gehen.

Wird diese Fahrt glatt gehen?

Hoffen wir das Beste, lieber Leser…

(Wolfgang)

 

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Life goes on

August 18th, 2011 von administer

das Leben geht weiter. Die GALEB fährt wieder – die Eigner haben noch im Juli alle Systeme wieder zum Laufen und das Boot zurück in sein Element gebracht. Seither haben wir wieder viele Dinge erlebt, von denen ich hier gelegentlich einige erzählen will.

In der Lagune von Faro in Portugal hat die GALEB ihren zweiten Winter verbracht. Der Standplatz auf der Werft war leider ziemlich dreckig. Unser vormals weißes Boot hat nun millionen rostige Sommersprossen und ist zusätzlich durch einen feinen Schleier aus blauem Antifouling verziert. Eine aparte Mischung, die nur mühsam mit Chemie und Schweiß wegpoliert werden könnte – aber dafür ist mir mein Urlaub nun wirklich zu schade. Eine Möwe (kroatisch: Galeb) fliegt auch ohne blütenweißes Gefieder…

Apropos fliegen: In Süddeutschland gibt es im August den Feiertag „Maria Himmelfahrt“ – die Portugiesen sind doch eher maritim ausgerichtet und schicken ihre Madonna zur See.

Ich persönlich denke da eher amphibisch, denn mir ist egal, ob ich Ihre Obhut zu Lande, zu Wasser oder in der Luft genieße – mag ja überall recht nützlich sein.

Jedenfalls hatten alle unsere Abenteuer bisher ein Happy End – wer auch immer da seine Hand mit im Spiel hatte, hat letztlich einen guten Job gemacht. Vielen Dank!

(Wolfgang)

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