Das Landei spricht

August 30th, 2010 von administer

Mein Cousin Werner und Milenas Großeltern sind mittlerweile wieder im winterlichen Germanien, während Carina, Milena und ich mit frisch eingetroffener Christine weiter im Sonnenparadies ausharren – es fällt uns nicht wirklich schwer 🙂

Trotz geringer maritimer Vorkenntnisse, hat sich Werner an Bord bestens bewährt und bei seiner seemännischen Begabung wäre es schade, wenn er nicht bald wieder zu Wasser gelassen würde.

Er hat einige Eindrücke festgehalten:

(Wolfgang)

Portugal, Algarve
Lagos, 19.8.2010 ff

Hier an Bord der GALEB ist es ganz nett, alle Insassen sind entspannt und vertragen sich gut. Es wird viel gelesen, relativ wenig gesegelt:
Wolfgang hatte einigen Ärger (den er aber nicht gezeigt hat, Respekt) mit wenig sinnvollen bis unbrauchbaren Sachen an Segel und Zubehör.
Weil ja der Mast mit Fock und Großsegel und allen anderen Dingen im Atlantik liegt, hat er alles neu gebraucht; dabei hat die Segelmacherei so schlampig ge-arbeiten lassen, dass die erste Lieferung (Pfingsten) überhaupt nicht brauchbar war und das jetzt schon der 2. Satz ist!
Das Segel ist eigentlich (wieder) zu groß, und wenn es sich im Gebrauch dehnt, könnte es sein, dass Wolfgang es nicht weit genug nachspannen kann (heißt glaub ich „durchsetzen“). Die mitgelieferten „Latten“* (Stangen zum Großsegelversteifen) sind zu dünn und, wie ein hiesiger Segelmacher gesagt hat, von zu spröder Qualität, er würde so was nie in ein Segel einsetzen, denn wenn sie brechen (was bei starker Belastung schon mal sein kann), zerschlitzen sie vermutlich das Segel.
Hier ist allerdings August=Urlaubszeit und erst im dritten Anlauf (Faro/Vilamoura/Lagos haben wir hier wenigstens gerade ausreichend Meterware Latten bekommen, wenn auch nicht mit Wolfgangs Traumdicke, will meinen -maßen.
Der örtliche Segelmacher war sehr nett, wollte selbst in Urlaub und hat trotz einiger Zeit und Ratschläge nur die Materialkosten in Rechnung gestellt und Wolfgang auch noch einige nützliche Kleinigkeiten geschenkt (z.B. UV-beständigen Faden für Decklukensonnenschutzverkleidungen), hat als Kommentar zu dem Segel gemeint: naja inzwischen bekommt man also chinesische Qualität zum deutschen Preis….
Anpassen selber…, seltsam verteilte Lattenaufnahhmen ummontieren etc. perge perge.
Der Fahrtplan wurde also bisher von den technischen Notwendigkeiten vorgegeben.

Wolfgang ist dann während einer kleinen Ausfahrt Richtung Westen gestern, beim 1. Setzen des Großsegels ein von ihm zu knapp geschürzter Knoten (Patzsparen wg. des so großen Segels) aufgegangen, das Großsegel nach kürzester Fahrt wieder heruntergerauscht und die zum Setzen wesentliche Leine in den Mast gefallen – deshalb heißt es wohl Großfall; heute haben wir sie mit diversen seefahrtsfremden Hilfsmitteln wieder herausgefischt und jetzt funktioniert es hoffentlich?…

Nun ja so ist halt auch immer irgendwas instand zu halten oder anzupassen.

Die lange Fahrt von Vilamoura nach Lagos war ziemlich windig und schaukelig und fand nur mit dem Focksegel unter Motorunterstützung statt, hat mir aber nichts mehr ausgemacht; die kürzere vorherige Fahrt war mir etwas flau, wegen Hitze, Dieselgeruch und wenig Gewöhnung.

Ein klein wenig überhöhte Aktivität kommt immer beim Anlegen auf (Puffer=“Fender“ ausbringen, Festlegeleinen klarmachen und belegen usw.), weil der Katamaran schon etwas breit und schwer ist. Hat aber bislang ganz gut geklappt.
Meine, wenn auch kleinen, Knotenkenntnisse kann ich immerhin brauchen.

Lagos ist schon mehr im Westen bei der Felsalgarve (Ar. Al-Gharb=der Westen (des ehemals maurischen Herrschaftsgebietes)) und wir haben gestern einen Bade/Besichtigungsbootsausflug (blödes Wort – Ausfahrt scheint mir dann doch angemessener…) zu einigen sehr schönen Steinformationen/Grotten gemacht (s.o. unter Großsegel).

Der Ort Lagos ist eine recht gepflegte, nette, landschaftliche reizvoll gelegene Kleinstadt, wenn auch reichlich touristisch; was aber auch Vorteile hat (Verständigung u.a….).

Am 2. Abend haben wir, bei der Badeinsel Culatra vor Anker liegend, zur Gitarre einige Lieder gesungen und die Liederbücher, über die sich Wolfgang und Carina anscheinend gefreut haben, „eingeweiht“.
Weil wir seitdem meist in sog. „Marinas“ (=ne Art Campingplatz für Boote) liegen und übernachten und hier zwar einige Gesangsdarbietungen in durchaus gehobener Lautstärke zu vernehmen sind**, denn eine recht laute PA ist heutzutage ja keine besondere finanzielle Anstrengung mehr, aber die freie Pflege von gemeinsam gesungenem (deutschsprachigem) Liedgut vielleicht doch nicht auf allgemeines Interesse stößt, haben wir bis dato dieses Unterfangen nicht wieder aufleben lassen.

Internet gibts nur im Hafen und auch nicht immer problemlos (Passwörter u.a.).

Ach ja, und da war noch Meer, Sand, Wellen, Wind, Sonne, Sonnenuntergänge***, Vollmond, viele Masten, alle Sorten von Blau, Delphine und der ganze Schmäh.

ne denn Ahoi
wb, Katzubi

——

*Interessant zu beobachten, wie traditionelle Dinge gerade in der Fachsprache ihre alte Bezeichnung bewahren, obwohl sie u.U. inzwischen doch recht deutlich andere Beschaffenheit haben…

**Ein gewisser Höhepnkt war am Freitagabend erreicht, als 3 Bands gleichzeitig zu hören waren, im Prinzip mit einigermaßen gleichem Repertoire (Wonderwall usw.) aber sich bedauernswerterweise nicht auf einen synchronisierten Gesamtablauf verständigen konnten und deshalb manche Lieder 2-3mal aber eben nicht simultan erklangen.
Nun ja, Polyrhythmik, -tonalität usw. dieser Art haben ja schon Charles Ives fasziniert – ob er wohl auch gern schlafen wollte, als er sich mehrere Blaskapellen im Sternmarsch von einem Kirchturm aus anhörte ?
Falls dann doch einmal Pause sein sollte, springen auf etwas leiserem Niveau 2-4 Bars mit Konservenmusik ein.
Dabei haben wir noch einen vom Epizentrum etwas abgelegeneren (jetzt hab ich das Wort zum 3. Mal gelesen, aber doch keinen Fehler entdeckt – mei des schaugt hoid einfach so komisch aus…) Liegeplatz…

***komischerweise gibts hier keine Sonnenaufgänge.

Geschrieben in Berichte | 2 Kommentare »

Abermals gerettet

August 27th, 2010 von administer

Soeben konnte wieder einmal ein kleines Leben gerettet werden. Von der Flut offenbar überrascht, wurde ein Chamäleon weit hinaus ins Wasser getrieben. Zufällig kamen Werner und Wolfgang mit dem Beiboot vorbei und sahen das putzige Tierchen verzweifelt im salzigen Wasser paddeln. Ein schneller Griff und der Mini-Drachen war aus dem unpassenden Element gefischt – vor Fischen und Möwen gerettet.
In meiner Hand ging dem Reptilchen schnell die Luft aus – nein, es war nicht vom paddeln aus der Puste, sondern war so schlau, sich voll Luft zu pumpen, damit es sich wie unser Schlauchboot über Wasser halten kann. Sozusagen ein eingebauter Schwimmring. Wieder auf dem Trockenen ging das bunt beschuppte Bäuchlein wieder auf Normalgröße zurück. Wenn es bei mir nur auch so einfach wäre…

Zurück an Bord der GALEB haben sich unsere beiden Kleinsten schnell angefreundet. Mit seinen kleinen Krallen krabbelt unser Gast bedächtig auf Milena herum – offensichtlich zu beiderseitigem Vergnügen.


Die Entscheidung, den kleinen Kerl in seiner Heimat zu belassen fiel uns allen ziemlich schwer – aber letztlich wurde sie wahrscheinlich in seinem Sinne getroffen.


Der kleine Gefährte wurde auf der Insel Culatra in die Obhut von Jan gegeben, der sich bestens auskennt, da er seine Hütte und seinen Garten seit über zwanzig Jahren in der Bucht der Verdammten mit allen möglichen interessanten Einwohnern teilt.

(Wolfgang)

Geschrieben in Berichte | 2 Kommentare »

Segel(n)

August 24th, 2010 von administer

Die neuen Segel sind endlich angeschlagen. Da ging einiges an Vorarbeit voraus. Nachdem der erste Satz Segel viel zu groß war, kamen rechtzeitig zum Sommerurlaub eine neue Fock und ein neues Großsegel in Portugal an. Das Vorsegel war schnell montiert und macht eine gute Figur. Nur mit dem Großsegel gab es noch einigen Trödel. Die gelieferten Segellatten sind viel zu dünn und würden bei Bruch das schöne neue Segel durchbohren. An der Algarve kann man vielleicht Golfschläger in allen Qualitäten bekommen (hier reihen sich 30 dieser wasserfressenden Kunstlandschaften aneinander – wer so was braucht?) aber mit Segellatten schaut die Sache schlecht aus. Unser erster Versuch im Bonzenghetto Vilamoura war leider negativ – aber ich bekam eine Nummer aus Lagos, bei der ich sofort anrief. „Ich hab noch was rumliegen – aber ich bin nur noch bis übermorgen da“ war die Aussage des Segelmachers am anderen Ende der Funkstrecke. Also gleich weiter Richtung Westen – dummerweise nur mit Fock-Unterstützung und Maschine. Gleich am nächsten Morgen in der angenehmen Marina de Lagos kommt Hilfe in Form eines freundlichen Segelmachers mitsamt etlicher Meter Segellatten, die zwar immer noch nicht die ideale Dicke aufweisen, aber mit Hilfe von Reduzierhülsen in den Halterungen passend gemacht werden. Nach einigen schweißtreibenden Änderungen im Segel und dem korrekten Ablängen der Latten können wir endlich das Großsegel erstmals in voller Schönheit setzten – zunächst ohne Wind in der Marina. Vorliek und Unterliek lassen sich bis zum Anschlag durchsetzen – na hoffentlich schrumpft das Tuch in den nächsten Jahren noch ein bisschen.
Tags darauf geht es zur ersten Probefahrt entlang der schroffen Felsküste.

Der Segelgenuss war nur von kurzer Dauer, da nach wenigen Minuten unter vollen Segeln der Knoten im Großfall durchgeschlupft ist. Ich hatte ihn zu knapp geschürzt, um Millimeter zu schinden. Das Fall machte daraufhin seinem Namen alle Ehre – es fiel einfach in den Mast. Das Segel rauschte mit Getöse in den Lazybag. Abends in der Marina gab es das nette Geduldsspiel für zwei: „Fummel die Leine von der Mastspitze durch das fingergroße Loch über Deck“.

Ach ja – Lazybag: Das ist ein Stück Stoff, das am Großbaum befestigt wird, um das Segel bequem einpacken zu können. Unser Teil schaut schnittig aus, aber leider wird durch die knappe Formgebung achtern das Segelpacken zur Qual. Klassische Segel sind ziemlich dreieckig geschnitten – so wie sie alle Kinder dieser Welt intuitiv malen. Sowas würde perfekt in diesen „Faulsack“ passen – Kat-Segel haben sich jedoch weiter entwickelt und an der Hinterkante mehr Segelfläche ausgebildet. Diese Materialakkumulation braucht natürlich in gefaltetem Zustand mehr Raum. Ich fürchte, den müssen wir erst noch schaffen…


Ansonsten genießen wir unsere Zeit bei herrlichem Wetter und wunderbarer Landschaft, so dass sich niemand so recht aufraffen kann, endlich mal was für Webseite zu verfassen. Also bitte nehmt es als gutes Zeichen, wenn Ihr nix von uns hört…

(Wolfgang)

Geschrieben in Berichte | Keine Kommentare »

Funkstille?

August 22nd, 2010 von administer

Seit über einer Woche ist die GALEB nun an der Algarve mit folgender Besatzung unterwegs: Wolfgang, Carina, Milena mit ihren Großeltern Guido und Hildegard sowie unser Generalmusikdirektor Werner.

Nach der relativ langen Funkstille unsererseits wird es höchste Zeit, ein Lebenszeichen zu senden, was mehrfach angemahnt wurde aus der Karibik und dem alten Europa.

Es geht uns prima – Urlaub vom Feinsten! Wir werden von zwei erfahrenden Köchinnen bekocht und zwischenzeitlich springt auch mal ein chinesisches oder portugiesisches Lokal ein, damit wir nicht zu viel Gewicht verlieren.

Die Sensation: an Bord gibt es außer selbstgemachtem Wasser diesmal sogar etwas Bier, Wein und Champagner – was mir (dem Verfasser = Guido) sehr entgegen kommt. Damit das klargestellt ist: das Schaukeln ist ursächlich durch Seegang bedingt! Die Stimmung an Bord ist ausgezeichnet, was kürzlich ein Bordliederabend mit Gitarrenbegleitung bei lauen Temperaturen noch unterstreicht. Alle weiteren Ereignisse überlasse ich meinen nachfolgenden Berichterstattern – demnächst auf dieser Seite.

(Guidio)

Geschrieben in Berichte | Keine Kommentare »