Havarie

Mai 13th, 2009 von GALEB

Drei Tage lang mussten wir ohne Autopilot auskommen, bis ich ihn notdürftig reparieren konnte. Das hieß für die ganze Mannschaft (außer Milena) rund um die Uhr bei jedem Wetter draußen konzentriert am Steuer drehen. Eine ganze Nacht habe ich auf diese Weise einen Sturm abgewettert, der in Spitzen 55kt zu bieten hatte. Diese drei Tage haben alle ziemlich strapaziert und die Reparatur war ein Segen. Wir dachten, jetzt sei das Schlimmste überstanden, aber es kam schlimmer.

Gegen Mitternacht am 12.5.09 entmastete sich die GALEB.
Wir waren auf stramme Segelbedingungen vorbereitet, hatten die Groß im 2.Reff und auch die Fock teilweise weggerollt. Bei raumem Kurs mit steiler Welle und 28kt Wind ging es vergleichsweise unspektakulär voran.
Plötzlich ist mit einem Knall ein Verbindungsteil in der Stb-Want gebrochen und der Mast ging sofort Backbord über die Reling.
Die Mannschaft hat schnell und professionell gehandelt. Es ging darum, schlimmere Schäden am Boot zu verhindern. Also mussten wir umgehend alle Leinen kappen, mit denen die Palme noch am Rumpf hing. Besonders gefährlich war, dass ein Stahlseil der Mastabspannung unter der mittigen Bb-Klampe hing und mit jeder Welle daran sägte. Genauso hätte auch der Rumpf angesägt oder eine Maststufe durch die Bordwand gerammt werden können. Mit vereinten Kräften schafften wir es alle Stahl und Kunststoffseile zu kappen und den Mast mit allen seinen Anbauten in die Tiefe zu schicken.

Da waren wir nun mit einem Schlag unser Positionslicht, den Radarreflektor, die Radarantenne und die Funkantennen los – von den Segeln gar nicht zu reden.
Unsere Rettung ist die Peitschenantenne am Heck, die uns weiterhin den Kontakt zur Welt ermöglicht.
Unsere Spritvorräte reichen etwa für 400 sm. Nach Horta sind es aber noch 1000 sm und nach Flores immerhin noch 870sm.
Nachdem wir mit einem Motor in Schleichfahrt als flaches unbeleuchtetes UFO Fahrt aufgenommen hatten tauchte hinter uns ein Frachter („SPRINGTIGER“) auf, den wir auch per Handfunkgerät erreichen konnten. Wir haben ihm unsere Situation erklärt. Er konnte zwar keinen Diesel übergeben, aber er hat schon mal die portugiesische Rettungsleitstelle informiert, so dass im Notfall auch von dort Hilfe angefordert werden kann.

Mittlerweile haben wir uns ein Notrigg gebaut aus 5,5qm Surfsegel, mit dem wir nun in günstigen Windbedingungen ohne Treibstoff vorwärts kommen. Wenn dieser Wind noch ein Weilchen anhält, dann haben wir gute Chancen aus eigener Kraft unser Ziel zu erreichen.

Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft, die auch in diesen Extrembedingungen besonnen reagiert hat. Moritz bäckt gerade ein paar Rohrnudeln und allen geht’s schon wieder viel besser.

Es ist so gut, zu wissen, dass so viele liebe Menschen in Gedanken bei uns sind. Bitte schreibt möglichst keine e-mails, damit dieser Kommunikationskanal für uns frei bleibt. Aber über jeden Kommentar hier unter dem Artikel werden wir uns bei unserem Landfall freuen.

(Wolfgang)

Geschrieben in Berichte | 15 Kommentare »

Bermuda

Mai 6th, 2009 von administer

Nach den ersten 800 Seemeilen unserer Rückreise über den Atlantik sind wir für einen Zwischenstopp in einer ganz anderen Welt gelandet – auf den Bermudas.
Hier fährt man von See kommend nicht einfach mal an Land, nein, wer sein Schiff nicht aufs Riff setzen will, steuert lieber eine der beiden Durchfahrten durch den, die Inselgruppe umschließenden Riffgürtel an. Das Land das sich dann präsentiert ist völlig unkaribisch, auch wenn das Meer genauso schön türkis ist und Palmen und Bananen wachsen. Es ist seeeehr zivilisiert. Die Häuser sind bonbonfarben und mit einheitlich weißen Dächern gedeckt, so adrett, als wäre der Maler gerade erst mit dem Anstreichen fertig geworden. Die Mülleimerdichte scheint weltweit mit am höchsten zu sein.
Es gibt so viele Einbuchtungen, Lagunen, Inseln und Inselchen, dass es schwierig ist ein Grundstück zu besitzen, das nicht am Meer liegt. Das Klima ist frischer als in der Karibik und bereitet uns vielleicht ein bisschen auf Zuhause vor. Die Bermudianer, die wir bisher kennen gelernt haben waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. So durften wir beispielsweise am Sonntag eine ausgiebige Kutschfahrt genießen, weil John, der Kutscher seine Pferde trainieren wollte. Jede Woche legt hier in St. George’s nämlich von Montag bis Donnerstag ein Kreuzfahrtschiff an und dessen zahlreiche Passagiere sind Johns beste Kunden. Am anderen Ende der Insel liegen noch zwei schwimmende Altersheime und überschwemmen die Insel gnadenlos mit einer Masse an Touristen, sodass ein Einheimischer, der mit der Fähre von der Arbeit nach Hause fahren möchte eine halbe Stunde warten muss bis er das Schiff betreten kann. Die etwas teuren Souvenirläden dagegen freuen sich über derart viele dollarschwere Kunden und können mit ihren Einnahmen wahrscheinlich bald den nächsten Anlegesteg finanzieren um noch mehr Leute ranzuschaffen.
Wir brechen mit einer Träne im Auge auf, die aber vielleicht auch vom Kassenzettel des Supermarktes kommt.
Das Wetter ist günstig, was uns zu einem schnellen Aufbruch veranlasst. Wir setzen die Segel und rauschen hinaus aufs offene Meer.
Ahoi, Seemann Ahoi…

(Carina + Felix)

Geschrieben in Berichte | 2 Kommentare »

Nächste Einträge »