Warteposition

Mai 16th, 2009 von GALEB

Es wird besser! Der Wind kommt zwar immer noch genau aus Osten aber er ist schon schwächer geworden und die Welle nimmt etwas ab. Das Barometer steigt wieder und wir haben die letzte Nacht alle gut geschlafen. Wir treiben tatsächlich nur mit einem schlappen Knoten dahin, so dass wir die verlorene Distanz mit dem richtigen Wind bald wieder aufgeholt haben.
Die beiden Yachten, die uns mit Sprit zu Hilfe eilen, müssen ebenfalls mit diesen ungünstigen Bedingungen zurecht kommen, weshalb sie sich wahrscheinlich kaum angenähert haben. Unsere Positionen tauschen wir mehrmals täglich per Mail aus.

Die US-Küstenwache beobachtet dauernd unsere Position und versucht Schiffe zu uns zu dirigieren, damit wir Sprit übernehmen können. Derzeit ist ein Flugzeug zu uns unterwegs und will Verbindung aufnehmen.

Wir lassen es uns hier recht gut gehen. Gerade gab es Müslifrühstück und der Vorrat an Bibi Blocksberg-Geschichten ist noch länger nicht ausgeschöpft.

Wir bitten weiterhin um Zurückhaltung bei e-Mails, weil dieser Kanal für die Helfer gebraucht wird.

(Wolfgang)

Pos. 16.5.2009 1230 UTC: 37-17N 047-38W

Geschrieben in Berichte | Keine Kommentare »

Wir lassen uns treiben

Mai 15th, 2009 von GALEB

Momentan ist der Wind gegen uns, so dass wir beigedreht haben und uns so langsam wie möglich treiben lassen. Der Ostwind versetzt uns derzeit mit etwa einem Knoten nach Westen, d.h. vom Ziel weg. Das Surfsegel ist geborgen, damit es uns für bessere Zeiten wieder helfen kann. Auf diese Weise können wir viel Sprit sparen, den wir dann bei westlichen Winden besser investieren können.
Ein weiterer Katamaran (Achim auf ACROPAL) ist weniger als 300sm hinter uns und wird uns bald treffen, um uns mit Treibstoff zu versorgen. Auch eine zweite Yacht (MERRYMARY) kommt uns nach und kann uns ebenfalls Diesel abgeben.
So parken wir hier erstmal und hoffen auf besseres Wetter. Nun haben wir Zeit, auch die letzte Strophe der Kinderlieder auswendig zu lernen, die sonst keiner kann.

Pos. 15.5.2009, 1300 UTC: 37-16N 47-10W

(Wolfgang)

Geschrieben in Berichte | 2 Kommentare »

Wir segeln

Mai 14th, 2009 von GALEB

Der Gau liegt nun eineinhalb Tage zurück und wir haben in dieser Zeit erfreulich Strecke gemacht. Zunächst 60sm unter Motor durch die Nacht. Seit das Surfsegel gesetzt ist hat es uns schon 90sm weiter gebracht, ohne dass wir einen Tropfen Sprit verheizen mussten. Derzeit sind es bis Flores noch 760sm.

Inzwischen wird von Amateurfunkern aus aller Welt Hilfe organisiert. Die deutschsprachigen maritimen Funker, die vorwiegend bei Intermar (www.intermar-ev.de) organisiert sind, sowie Enthusiasten aus aller Welt sind immer bei uns. Besonders unser “Seelotse” Christoph (www.DH2LC.de) ist unglaublich. Er führt mehrere Yachten mit Treibstoff zu uns und ist praktisch rund um die Uhr seelischer Beistand und Koordinator der vielen helfenden Amateurfunker aus aller Welt. Wir erleben den “HAM-Spirit” – der Geist, der alle Amateurfunker zu einer großen weltweiten Familie eint – und wo jeder für den andern das Äußerste gibt. Danke Euch allen!

Uns geht es inzwischen wieder recht gut. Da wir zunehmend Vertrauen in unser Notrigg haben und Dank der Funker gute Aussichten bestehen, weicht entsprechend die Anspannung. Zwar ist es deutlich anstrengender, mehr von den Wellen geschoben zu werden, als vom Wind, aber wir sind froh, überhaupt voran zu kommen. Besonders Milena bringt uns die Normalität zurück, denn sie lebt ihren Tag. Moritz spielt geduldig mit ihr und Felix ist gerade dabei frisches Brot zu backen, während er sich ein Hörbuch gönnt.

(Wolfgang)

Geschrieben in Berichte | 4 Kommentare »

Havarie

Mai 13th, 2009 von GALEB

Drei Tage lang mussten wir ohne Autopilot auskommen, bis ich ihn notdürftig reparieren konnte. Das hieß für die ganze Mannschaft (außer Milena) rund um die Uhr bei jedem Wetter draußen konzentriert am Steuer drehen. Eine ganze Nacht habe ich auf diese Weise einen Sturm abgewettert, der in Spitzen 55kt zu bieten hatte. Diese drei Tage haben alle ziemlich strapaziert und die Reparatur war ein Segen. Wir dachten, jetzt sei das Schlimmste überstanden, aber es kam schlimmer.

Gegen Mitternacht am 12.5.09 entmastete sich die GALEB.
Wir waren auf stramme Segelbedingungen vorbereitet, hatten die Groß im 2.Reff und auch die Fock teilweise weggerollt. Bei raumem Kurs mit steiler Welle und 28kt Wind ging es vergleichsweise unspektakulär voran.
Plötzlich ist mit einem Knall ein Verbindungsteil in der Stb-Want gebrochen und der Mast ging sofort Backbord über die Reling.
Die Mannschaft hat schnell und professionell gehandelt. Es ging darum, schlimmere Schäden am Boot zu verhindern. Also mussten wir umgehend alle Leinen kappen, mit denen die Palme noch am Rumpf hing. Besonders gefährlich war, dass ein Stahlseil der Mastabspannung unter der mittigen Bb-Klampe hing und mit jeder Welle daran sägte. Genauso hätte auch der Rumpf angesägt oder eine Maststufe durch die Bordwand gerammt werden können. Mit vereinten Kräften schafften wir es alle Stahl und Kunststoffseile zu kappen und den Mast mit allen seinen Anbauten in die Tiefe zu schicken.

Da waren wir nun mit einem Schlag unser Positionslicht, den Radarreflektor, die Radarantenne und die Funkantennen los – von den Segeln gar nicht zu reden.
Unsere Rettung ist die Peitschenantenne am Heck, die uns weiterhin den Kontakt zur Welt ermöglicht.
Unsere Spritvorräte reichen etwa für 400 sm. Nach Horta sind es aber noch 1000 sm und nach Flores immerhin noch 870sm.
Nachdem wir mit einem Motor in Schleichfahrt als flaches unbeleuchtetes UFO Fahrt aufgenommen hatten tauchte hinter uns ein Frachter (“SPRINGTIGER”) auf, den wir auch per Handfunkgerät erreichen konnten. Wir haben ihm unsere Situation erklärt. Er konnte zwar keinen Diesel übergeben, aber er hat schon mal die portugiesische Rettungsleitstelle informiert, so dass im Notfall auch von dort Hilfe angefordert werden kann.

Mittlerweile haben wir uns ein Notrigg gebaut aus 5,5qm Surfsegel, mit dem wir nun in günstigen Windbedingungen ohne Treibstoff vorwärts kommen. Wenn dieser Wind noch ein Weilchen anhält, dann haben wir gute Chancen aus eigener Kraft unser Ziel zu erreichen.

Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft, die auch in diesen Extrembedingungen besonnen reagiert hat. Moritz bäckt gerade ein paar Rohrnudeln und allen geht’s schon wieder viel besser.

Es ist so gut, zu wissen, dass so viele liebe Menschen in Gedanken bei uns sind. Bitte schreibt möglichst keine e-mails, damit dieser Kommunikationskanal für uns frei bleibt. Aber über jeden Kommentar hier unter dem Artikel werden wir uns bei unserem Landfall freuen.

(Wolfgang)

Geschrieben in Berichte | 15 Kommentare »

Bermuda

Mai 6th, 2009 von admin

Nach den ersten 800 Seemeilen unserer Rückreise über den Atlantik sind wir für einen Zwischenstopp in einer ganz anderen Welt gelandet – auf den Bermudas.
Hier fährt man von See kommend nicht einfach mal an Land, nein, wer sein Schiff nicht aufs Riff setzen will, steuert lieber eine der beiden Durchfahrten durch den, die Inselgruppe umschließenden Riffgürtel an. Das Land das sich dann präsentiert ist völlig unkaribisch, auch wenn das Meer genauso schön türkis ist und Palmen und Bananen wachsen. Es ist seeeehr zivilisiert. Die Häuser sind bonbonfarben und mit einheitlich weißen Dächern gedeckt, so adrett, als wäre der Maler gerade erst mit dem Anstreichen fertig geworden. Die Mülleimerdichte scheint weltweit mit am höchsten zu sein.
Es gibt so viele Einbuchtungen, Lagunen, Inseln und Inselchen, dass es schwierig ist ein Grundstück zu besitzen, das nicht am Meer liegt. Das Klima ist frischer als in der Karibik und bereitet uns vielleicht ein bisschen auf Zuhause vor. Die Bermudianer, die wir bisher kennen gelernt haben waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. So durften wir beispielsweise am Sonntag eine ausgiebige Kutschfahrt genießen, weil John, der Kutscher seine Pferde trainieren wollte. Jede Woche legt hier in St. George’s nämlich von Montag bis Donnerstag ein Kreuzfahrtschiff an und dessen zahlreiche Passagiere sind Johns beste Kunden. Am anderen Ende der Insel liegen noch zwei schwimmende Altersheime und überschwemmen die Insel gnadenlos mit einer Masse an Touristen, sodass ein Einheimischer, der mit der Fähre von der Arbeit nach Hause fahren möchte eine halbe Stunde warten muss bis er das Schiff betreten kann. Die etwas teuren Souvenirläden dagegen freuen sich über derart viele dollarschwere Kunden und können mit ihren Einnahmen wahrscheinlich bald den nächsten Anlegesteg finanzieren um noch mehr Leute ranzuschaffen.
Wir brechen mit einer Träne im Auge auf, die aber vielleicht auch vom Kassenzettel des Supermarktes kommt.
Das Wetter ist günstig, was uns zu einem schnellen Aufbruch veranlasst. Wir setzen die Segel und rauschen hinaus aufs offene Meer.
Ahoi, Seemann Ahoi…

(Carina + Felix)

Geschrieben in Berichte | 2 Kommentare »

Nächste Einträge »